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Archive für 29.4.2008
Spritpreis die Zweite
29.4.2008 von Jörg Haupt.
Irgendwie haben wir es ja immer schon gewusst: Unsere Politiker haben jeden Bezug zur Realität verloren. Also nicht, dass uns das jetzt überraschen würde. Aber da fordern die doch reihenweise, dass die Preistreiberei beim Sprit ein Ende haben muss.
Ja, das ist doch echter Populismus, oder? Böse Zungen behaupten ja, die Politiker hätten es selbst in der Hand: Schließlich sind zwei Drittel der Benzinpreise doch vom Staat gemacht. Aber Steuern senken? Das scheut der Staat wie der Teufel das Weihwasser. Schließlich war der Solidaritätszuschlag ja auch nur für ein Jahr gedacht. Und die Sektsteuer diente der Finanzierung der kaiserlichen Kriegsflotte. Seitdem ist die deutsche Kriegsflotte schon zweimal untergegangen, was aber noch lange nicht bedeutet, dass dies auch mit der Steuer geschehen könnte.
Aber warum auch? Schließlich hängt da ja eine ganze Industrie daran. Man denke nur an all die Verlage, die vom deutschen Steuerwirrwarr leben. Denn 90% der weltweiten Steuerliteratur erscheint ja auf deutsch.
Toll auch, was Frau Merkel zum Thema Spritpreise anmerkte: “Bei den Energiekosten müssen wir jede Möglichkeit nutzen zu sparen”, wird sie zitiert. Die Verbraucher sollten Autos mit geringem Spritverbrauch kaufen. “Das ist gut fürs Klima - und fürs Portemonaie”.
Na sowas! Diese Aussage wird den normalverdienenden Familienvater sicherlich schwer beeindrucken. Hat er doch das Geld für ein nagelneues Auto sicherlich im Sparstrumpf - direkt neben dem Eingang zum Geldspeicher.
Hallo! Frau Merkel! Die Bürger können nicht mal eben zwischen Fahrbereitschaft und Flugbereitschaft wählen! Nix da mit: “Nehme ich heute den Audi, den BMW oder den Mercedes? Oder doch besser den Hubschrauber? Oder gleich den Airbus?” So ein Auto kauft man nicht mal eben wie ein Paar Socken.
Ja, diese Feststellung mutet irgendwie an wie die berühmte Aussage einer gewissen Marie Antoinette, der man den Spruch nachsagt, dass das Volk doch Kuchen essen solle, wenn es kein Brot habe. Nun gut, so weit sind wir ja in Deutschland zum Glück noch lange nicht. Aber vielleicht ist es ja für den ein oder anderen Politiker mal ein Anreiz, über den verzapften Schwachfug einmal genauer nachzudenken, wenn er sich vor Augen führt, dass es nach Madame Antoinettes Rendevous mit der Guillotine öfter mal in den Hals der netten Lady regnete.
Sicherlich wird auch manch mittelständischer Unternehmer von Frau Merkels Vorschlägen begeistert sein. Schließlich hat er kaum irgendwelche Belastungen, die er nur bedingt an seine Kunden weitergeben kann. Ja, da kauft sich ein neuer Fuhrpark doch nur so aus dem Handgelenk, oder? Zum Glück spielen dann noch zeitgleich die Banken wegen Basel II und der Finanzkrise verrückt. Da fallen hübsche neue umweltfreundliche Autos doch fast wie Manna vom Himmel, oder?
Immerhin, einen interessanten Finanzierungsansatz gibt es da: Man heirate eine Schönheitskönigin und lade den örtlichen Sparkassenchef zur Hochzeit ein. Hilfreich ist es, wenn die Schönheitskönigin sich zuvor von mittelmäßigen Musikproduzenten verprügeln ließe. Gerade zu ideal wäre es, wenn es schonmal Probleme mit der korrekten Anwendung der vier Fälle gäbe. Dann könnte die Kreditvergabe bei der örtlichen Sparkasse vielleicht etwas einfacher gestaltet werden - gegen den ein oder anderen Fernseher versteht sich. Ja, da werden Sie wirklich geholfen!
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