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Michael Kiske und das Anti-Marketing
Liebe Leser,
kennen Sie Michael Kiske? Nein? Nun, dann geht es Ihnen vermutlich wie den meisten Menschen. Denn der Mann hat in den vergangenen Jahren ein geradezu famoses Anti-Marketing betrieben.
Das ist eigentlich schade, denn Michael Kiske ist ein begnadeter Sänger. Mit seiner dreieinhalb Oktaven umfassenden Stimme stellt er die meisten Kollegen des Rock- und Pop-Genres locker in den Schatten. Überhaupt kann er so ziemlich alles singen: Von pianissiomo (für die Nichtmusiker: Gaaaaanz leise) bis fortissimo (also gaaaaanz laut) und von weich klingenden Balladen bis zum Heavy Metal Shouter ist alles drin.
Das Interessante aus Marketing-Sicht ist: Das macht er sogar tatsächlich - er veröffentlicht Musik in unterschiedlichen Stilrichtungen von klassischem Rock bis hin zu Heavy Metal. Und trotzdem kennt ihn kaum jemand.
Seine große Zeit hatte Michael Kiske mit der Heavy Metal Band Helloween (nein, kein Tippfehler, die Band schreibt sich tatsächlich so und nicht “Halloween”), als deren Sänger er mit 18 engagiert wurde. Leider verkrachte man sich im Laufe der Jahre. Hinzu kamen offensichtlich einige Rechtstreitigkeiten mit der Plattenfirma. Dies alles führte dazu, dass Kiske einige Jahre lang gegen die Kommerzialisierung der Musik wetterte, was das Zeug hielt. Er hat sogar 17 Jahre lang keine Bühne mehr betreten.
Dabei gehörte eine angemessene Vermarktung schon immer zur Kunst dazu. Schon Ludwig van Beethoven verklagte im Jahr 1808 seine Mäzene, die Fürsten Kinsky, Lobkowitz und Erzherzog Rudolph. Diese hatten mit Beethoven nämlich einen lebenslangen Rentenvertrag über 4.000 Gulden geschlossen, nach heutigem Wert ca. 120.000 Euro jährlich. Da die Zahlungen jedoch ins Stocken gerieten, zog Beethoven vor Gericht - und hatte Erfolg. Überhaupt soll er seine Finanzen penibel kontrolliert haben. Und für seine berühmte 9. Sinfonie kassierte er 600 Gulden (heute ca. 67.500 Euro).
Man sieht also: Musik und Kommerz haben sich schon damals durchaus vertragen. So langsam scheint dies auch Michael Kiske zu dämmern. Immerhin gibt es auf seiner ansonsten recht unstrukturierten Webseite neuerdings sogar halbwegs aktuelle Informationen, wenngleich man Hinweise zu seinem trotz des gefühlten Komplett-Untertauchens doch sehr umfangreichen Gesamtwerk dort zum Teil vergeblich sucht. Andererseits verhält er sich damit nicht viel anders als diverse mittelständische Unternehmen, die uns Informationen über ihr gesamtes Leistungsspektrum auf ihren Webseiten ja ebenfalls häufig vorenthalten. Insofern ist er da eigentlich in guter Gesellschaft.
Zum Glück erfahren interessierte Zeitgenossen mittlerweile mehr über seine Musik. Hier haben wir einmal ein Beispiel für ein unlängst gemeinsam mit Amanda Somerville aufgenommenes Album eingestellt. Dies zeigt: Kaum wird ein wenig geklappert, klappt es auch mit dem Handwerk - will heißen: Man nimmt das Angebot auch wahr.
Michael Kiskes neue Band Unisonic hat zwar offenbar noch keine Webseite, nutzt aber - man höre und staune - sogar das Social Web. Unisonic hat doch tatsächlich eine Seite bei MySpace. Wenn das so weitergeht, twittert Kiske irgendwann sogar.
>> Kontakt +++ jhmc +++ jhmc @ twitter
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