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Die Marketing-Banane im Juli für das Restaurant Gehry’s in Düsseldorf
Stylisch, edel und chic: So kommt das Restaurant Gehry’s in Düsseldorf daher. Wie der Name schon andeutet, befindet sich das Restaurant im Neuen Zollhof von Frank O. Gehry im Düsseldorfer Medienhafen und damit an einer der edelsten Meilen Düsseldorfs. Das Ambiente ist edel-modern und auch auf der Webseite gibt man sich nobel.
Doch wenn Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen, dann ist das ein Fall für die Marketing-Banane. Denn die Bewertungen bei Qype sprechen Bände: Mieser Service bei mittelprächtigem Essen zu horrenden Preisen - das ist der Tenor. Böse Falle, die Sache mit dem Social Web. Auch ich persönlich bin schon böse reingefallen. Aber dazu später mehr.
Im Verlauf des Berichts wird deutlich werden: Kommunikation (z.B. auf der Webseite) und Produkt- bzw. Dienstleistungspolitik passen nicht zueinander. Denn während die Kommunikation edles Gastronomieerlebnis verspricht, wird der werte Gast hinsichtlich der Dienstleistung schwer enttäuscht. Und deshalb verleihen wir die Marketing-Banane an das Möchtegern-Edel-Restaurant Gehry’s in Düsseldorf.

Doch der Reihe nach: Regelmäßig besuche ich den Venture Capital Stammtisch in Düsseldorf. Früher fand dieser im Wirtschaftsclub statt. Dort gibt man sich ebenfalls nobel, ohne jedoch diesem Anspruch in Bezug auf das gastronomische Angebot gerecht zu werden. Na ja, man sitzt ja nobel an der Kö, da muss das vielleicht so sein. Ich habe da mal ein Schnitzel gegessen, das so großzügig portioniert war, dass diese armselige Fleischscheibe woanders als Aufschnitt durchgeht. Dafür darf man sich von einem sehr hochnäsigen Kellner das Gefühl geben lassen, dass einem eine wahre Gnade erwiesen wird, da er sich herablässt, den geneigten Gast überhaupt zu bedienen.
Nun ja, der Venture Capital Stammtisch ist eine durchaus wichtige Netzwerkveranstaltung. Also ging ich auch weiter hin. Aber im Wirtschaftsclub habe ich natürlich nicht mehr gegessen. Denn es gab ja nur viel zu kleine Portionen zu überteuerten Preisen.
Das haben sich über kurz oder lang wohl auch die anderen Besucher des Venture Capital Stammtischs gedacht. Und so wurde irgendwann nur noch sehr wenig verzehrt, obwohl der Stammtisch eigentlich recht hochkarätig besetzt ist. Anstatt nun auf die Idee zu kommen, einmal etwas an der Qualität des gastronomischen Angebots zu verändern, warf man den Venture Capital Stammtisch kurzerhand raus!
Also begab sich der Venture Capital Stammtisch auf die Suche nach einer neuen Location. Und hier kommt nun unser Bananenträger Gehry’s ins Spiel. Denn im Gehry’s findet seit dem Rausschmiss aus dem Wirtschaftsclub der Venture Capital Stammtisch statt.
Das tolle Ambiente der schönen Location begeisterte die Besucher des Venture Capital Stammtischs und anders als zuvor im Wirtschaftsclub wurde fleißig bestellt. Das Essen schmeckte vorzüglich und alle waren begeistert. Denn der Venture Capital Stammtisch hatte offensichtlich eine gute Location gefunden.
Doch weit gefehlt: Die regelmäßige Anwesenheit durchaus hochkarätiger Gäste animierte das Team des Gehry’s nämlich keineswegs, sich gastronomisch weiterhin ins Zeug zu legen. Und so wurde der Service mit jedem Mal schlechter und die Portionen immer kleiner. Einmal hatte ich einen “Garnelenspieß mit Rucola-Salat”. Dieser schmeckte zwar gut, der “Garnelenspieß” bestand jedoch nur aus zwei (!!!) traurigen Garnelen. Davon wird ein erwachsener Mensch aber nun wirklich nicht satt. Dieses Häppchen als Hauptspeise anzubieten ist schon eine Unverschämtheit.
Ein Kollege von mir hatte eine ähnlich üppige Hauptspeise: Sein Nudelgericht war nach nur sechs (!!!) Gabeln vollständig vertilgt. Er hatte ob der großzügig bemessenen Mengen nämlich direkt mitgezählt. Den beiden Kollegen gegenüber am Tisch wurde derweil ein Häppchen grüner Salat dreist als Cesars Salad verkauft. Gierig griffen wir alle zum Gruß aus der Küche, der (falls er überhaupt noch kommt) mittlerweile eher am Ende der Veranstaltung lustlos auf den Tisch gestellt wird.
Toll war es auch, als ich einmal im Anschluss an den Venture Capital Stammtisch noch eine Besprechung im Gehry’s hatte. Denn wir liefen tatsächlich Gefahr, in einem Restaurant zu verdursten. Obwohl außer uns keine weiteren Gäste anwesend waren, interessierte sich niemand dafür, ob wir vielleicht noch etwas trinken wollten. Drei gelangweilte “Servicekräfte” lungerten an der Theke rum. Einer rauchte sogar innen (!!!) und tat alles, um bloß nicht in unsere Richtung zu schauen. Warum auch? Wir hätten ja etwas bestellen und ihn aus der Lethargie erwecken können. Da hat wahrlich jede Fastfood-Bude aufmerksameres Personal.
Tröstlich für das Gehry’s: Es steht mit seinem ambitionierten Preis-Leistungsverhältnis nicht alleine da. Insofern kann es die Marketing-Banane stellvertretend für pseudo-chice gastronomische Verarsche jedweder Art entgegen nehmen. So habe ich beispielsweise einmal im ebenfalls im Düsseldorfer Medienhafen beheimateten Courtyard by Marriott Hotel - ebenfalls anlässlich eines Termins - ein Nudelgericht gegessen. Tortellini sollten es sein. Stolze 12 Nudeln schwammen in dem für 12 Euro angebotenen Teller - pro Nudel also ein Euro. Als der Kellner fragte, ob es geschmeckt hätte, antwortete ich: “Ja! Das war sehr gut. Ich fand es auch toll, dass ich das Gericht vorher probieren durfte. Ich nehme es.” Der Kellner schaute mich an wie ein Auto und die Organisatorin der Veranstaltung machte ihn aufmerksam: “Ich glaube, einige der Herren sind nicht satt geworden.”
In der Tat: Genau so war es. Wir bekamen dann großzügerweise ohne Berechnung das gleiche Gericht noch einmal (gut, das waren also nun 24 Nudeln für 12 Euro) und ich plünderte zu Hause im Anschluss an die Veranstaltung heißhungrig den Kühlschrank. Offensichtlich hat vor allem die gehobene Gastronomie eher merkwürdige Ansprüche an das Bedürfnis der Kunden, beim Essen auch satt zu werden.
Wie auch immer: Man muss schon ganz schön dämlich sein, gleich ganze Heerscharen gehobenen Klientels zu vergraulen. Denn die Besucher des Venture Capital Stammtischs könnten ja theoretisch auf die Idee kommen, das Gehry’s auch mal “einfach so” zu besuchen. Nun ja, aufgrund der interessanten Demonstration der gastronomischen Nicht-Leistung komme ich garantiert nicht auf eine solche Idee. Und viele andere vermutlich auch nicht. Und deshalb gibt es die Marketing-Banane. Guten Appetit!
Bildnachweis für das “Bananenbild”: Lizenzfreies Bild aus der Datenbank FreePhotosBank
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