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Archive für 30.11.2011
Gähnende Leere im Gehry’s - Unser Marketing-Bananen-Jahressieger
30.11.2011 von Jörg Haupt.
Eigentlich wollten wir die Marketing-Banane niemals zwei Mal an das gleiche Unternehmen verleihen. Doch bezüglich des miesen Marketing manches Unternehmens wird man immer noch wieder überrascht: Egal, wie schlecht die Leistung vorher schon war, man kann definitiv alles nochmal toppen.
Ja, und das brachte uns in eine Zwickmühle: Sollten wir die Marketing-Banane tatsächlich zwei Mal dem Restaurant Gehry`s in Düsseldorf verleihen? Nun ja, das Prinzip, die Marketing-Banane nur jeweils ein Mal zu verleihen, haben wir ja selber ins Leben gerufen. Also können wir in unserem eigenen Blog natürlich auch die Regeln ändern.
OK, also gibt es neue Regeln: Man kann die Marketing-Banene zwar nur einmal bekommen. Aber unter den Bananen-Trägern kann auch ein Jahressieger gekürt werden. Nämlich genau dann, wenn man auf die schlechte Leistung, die zur Verleihung der Marketing-Banane führte, noch einen draufsetzt.
Und genau deshalb ist das Restaurant Gehry’s in Düsseldorf nun Marketing-Bananen-Jahressieger:

Wir erinnern uns: Im Juli hatten wir dem Gehry’s die Marketing-Banane verliehen, da gastronomischer Anspruch und gastronomische Wirklichkeit auseinanderklafften. Die Gäste des dort einmal im Monat stattfindenden Venture Capital Stammtischs wurden von Mal zu Mal mit immer schlechterem Service und immer kleiner werdenden Portionen abgefertigt. Ein Kollege bekam ein Nudelgericht, das nach lediglich sechs Gabeln vollständig vertilgt war, mein Garnelenspieß bestand aus zwei Garnelen - eigentlich hätte man sich aus Gründen der Optimierung der betrieblichen Kosten auch gleich den Holzspieß sparen können.
Im September (im August hatte der Venture Capital Stammtisch Sommerpause) verzichteten der Kollege und ich deshalb darauf, im Gehry’s zu essen. Statt dessen gingen wir nach dem Venture Capital Stammtisch direkt ins Curry schräg gegenüber. Denn da bekommt man für sein Geld wenigstens was auf die Gabel.
Im Oktober verkündeten die Initiatoren des Venture Capital Stammtischs dann, dass der Stammtisch ab November an einem neuen Ort stattfindet. Der Grund: Der Manager des Gehry’s hatte doch tatsächlich verlangt, dass die Initiatoren des VC-Stammtischs eine Umsatzgarantie geben sollten. Für diese sollten sie dann sogar einstehen, wenn der garantierte Umsatz nicht erreicht würde.
Also ehrlich: Dieser Typ der Kategorie “jung, dynamisch, erfolglos” hat doch offenbar irgendwas geraucht. Auch seine Begründung für die erwartete Umsatzgarantie war nicht von schlechten Eltern: Da der Venture Capital Stammtisch ja einen ganzen Raum belege, jedoch nicht immer alle Tische besetzt seien, müsse man quasi den entgangenen Umsatz der nicht besetzten Tische zahlen.
Ja, und jetzt wird’s richtig ulkig. Denn es ist nämlich nicht so, dass sich die Gäste zum Mittagstisch im Gehry’s stapeln würden. Der Venture Capital Stammtisch suchte sich derweil eine neue Location, und da diese nur einige Meter vom Gehry’s entfernt ist, schaute ich doch gestern nach dem Venture Capital Stammtisch mal schnell vorbei, wie voll es denn im Gehry’s um die Mittagszeit ist.
Liebe Leser, ich kann Ihnen sagen: Da ist dem Gehry’s aber wirklich ein ganz großer Wurf gelungen. Endlich nerven keine Gäste mehr! Kein lästiges: “Bringen Sie mir doch bitte noch einen Espresso.” - “Ich hätte gerne noch ein Wasser.” - “Könnte ich noch ein Glas Wein bekommen?” Und auch die Toilette macht jetzt niemand mehr schmutzig. Denn es ist ja keiner da. Es herrschte gähnende Leere. Ja, so hat man reichlich Mittagstisch: Also jede Menge freier Tische um die Mittagszeit.
Andererseits wäre zu viel Stress für die Kellner des Gehry’s aus arbeitsmedizinischer Sicht ja auch äußerst negativ zu bewerten. Und soviel ist mal sicher: Die Kellner des Gehry’s leben jetzt sehr gesund. Sie können sich nun ganz in Ruhe ihrem Lieblingsspiel widmen. Es heißt “Kellner-Mikado” und geht so: Wer sich zuerst bewegt, hat verloren.
Nun könnte man natürlich sagen, dass sich vermutlich das Angebot einer preiswerten Karte zur Mittagszeit betriebswirtschaftlich nicht gerechnet hat. Doch andererseits ist natürlich die Frage zu stellen, ob es betriebswirtschaftlich sinnvoller ist, bei gleichem Personaleinsatz gar keinen Umsatz zu generieren. Obwohl das Wort “Einsatz” in Verbindung mit “Personal” in dieser Dienstleistungswüste schon grotesk erscheint.
Jedenfalls ist es dem Restaurant Gehry’s eindrucksvoll gelungen sich als überteuerte Dienstleistungswüste mit mäßigem Essen und schlechtem Service bei einer außerordentlich zahlungskräftigen Kundschaft zu positionieren. Darüber hinaus hat man eben dieser zahlungskräftigen Kundschaft auch noch bedeutet, dass sie dort nicht erwünscht ist. Gratulation! Das muss man erst mal hinkriegen.
Zu dem hier erkennbaren Höchstmaß gastronomischer Inkompetenz können wir jedenfalls nur herzlich gratulieren. Und deshalb haben wir noch vor Ablauf des Jahres 2011 das Gehry’s in Düsseldorf zum Marketing-Bananen-Jahressieger gekürt.
Bildnachweis für das “Bananenbild”: Lizenzfreies Bild aus der Datenbank FreePhotosBank
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