How are you, Mr. Haupt? – Die Marketing-Banane im Dezember geht an die Telefon-Spammer

Gerade erst haben wir den Jahressieger der Marketing-Banane gekürt, da drängt sich doch schon wieder ein neuer Bananenträger auf. Gut, dass wir seit unserem gestrigen Beitrag schon wieder einen Monat weiter sind. Denn so können wir heute gleich die Marketing-Banane für den Dezember 2011 vergeben.

Eigentlich könnten wir übrigens eine Marketing-Sonder-Banane einschieben, denn im November haben wir die mit Abstand durchgeknalltesten Typen getroffen, die wir im Rahmen unserer bisherigen Tätigkeit kennenlernen durften. Dabei ging es um jede Menge heißer Luft im Social Web. Na ja, heute sind wir spendabel: Die Marketing-Sonder-Banane geht an die Social-Web-Heißluft-Experten.

Doch zurück zum Dezember-Bananen-Träger: Wir hatten heute Morgen gerade den Rechner hochgefahren, da klingelte das Telefon. Ich nahm ab und hörte eine freundliche Dame durch’s Telefon säuseln: “Good morning, Mr. Haupt. I am (weiß ich nicht mehr) from (weiß ich auch nicht mehr).”

Aha! Super! Unbrauchbare Aktientipps per Telefon-Spam kurz nach 8:00 Uhr morgens. Super! Da stehe ich total drauf. Unbeirrbar machte die Dame weiter: “How are you today, Mr. Haupt?”

Na, ganz klasse. Die Knalltüte setzt auf Nervenkrieg per Zeitdiebstahl. Ich deutete der Zeitdiebin deshalb an, dass ich in den nächsten geschätzten 8 Millionen Jahren weiterhin kein Interesse an ihren brandheißen Anlagetipps hätte. Ja, und kaum hatte ich ausgeredet, da hatte sie auch schon eingehängt.

Doch der Tag war gerettet: Endlich durfte ich mal wieder mit einem Telefon-Spammer meinen Spaß haben. Und deshalb bekommt die Knalltüte von heute Morgen stellvertretend für alle anderen Telefon-Spammer die Marketing-Banane im Dezember 2011:

Die Marketing-Banane

Aber man muss auch ganz schön was geraucht haben, um einen morgens um kurz nach acht mit englischem Telefonspam zu nerven. Andererseits war das offensichtlich abgelesene Schulenglisch schon irgendwie süß. Frei nach Reinhard Mey: “I could not English but quite cool, I learned it at the Folks-High-School”.

Kleiner Englisch-Exkurs:

I war my go stop over meadows.
Ich krieg mein Gehalt überwiesen. ;)

Ja, das hat man jetzt davon, wenn man mich um kurz nach acht mit blödsinnigen Aktientipps nervt. Einmal hatte ich solch eine Nulpe am Telefon, die an einem total stressigen Tag mit irgendeinem Versicherungsangebot nervte. Ich legte einfach auf. Kurz darauf klingelte das Telefon erneut und eine total erboste Stimme blökte mich an: “Das ist aber unverschämt, einfach aufzulegen!” Ich sagte nur “Ja!” – und legte einfach auf.

Toll ist auch immer die Nummer, Versicherungs-Spammern zu erklären, dass man insolvent sei. Mein Vater hatte derweil bei einem Lebensversicherungs-Spammer eine ganz andere Nummer drauf: “Super, dass Sie anrufen! Ich möchte tatsächlich gerne eine Lebensversicherung abschließen.” – Frohlocken am anderen Ende der Telefonleitung. Derweil erklärte mein Vater, dass er 86 und starker Raucher wäre. Seine Telefonnummer wäre 0815 – 4711. Irgendwie fühlte sich der Versicherungs-Spammer da nicht mehr so ganz ernst genommen. Und in der Tat: Mein Vater raucht nicht und ist auch jünger. ;)

Gut ist auch immer wieder die folgende Ansage: “Entschuldigen Sie, ich kann leider Ihre Telefonnummer nicht auf meinem Display erkennen. Bitte geben Sie mir doch Ihren Namen und Ihre Kontaktdaten, damit ich weiß, wen ich wegen der verbotenen Telefonwerbung verklagen darf.”

Schön war auch die folgende Begebenheit: Ein Telefon-Spammer rief mich wegen meines Zeitschriften-Abos an. “Ach”, sagte ich, “wegen des Focus?” – “Ja, genau!” – “Ich habe aber den Stern abonniert.” – “Äh … ja …” – “Kann es sein, dass Sie lügen?” – Da hat er einfach aufgelegt.

Doch nicht nur ich oder auch mein Vater haben immer wieder unseren Spaß mit den Telefon-Spammern. Da auch meine Brüder selbständig sind, freuen sie sich natürlich ebenso wie ich über solch durchgeknallte Zeitdiebe. Und wer einem schon die kostbare Arbeitszeit stiehlt, der schreit doch geradezu danach, nach Strich und Faden verarscht zu werden.

Einer der beiden hatte mal einen Telefon-Spammer dran, der meinen Bruder bat, eine größere Summe auf sein Konto zu überweisen. Das Geld würde nicht angefasst und sollte nur einige Monate auf dem besagten Konto verbleiben. Nach einigen Monaten hätte sich das Geld dann verdoppelt. Mein Bruder sagte, dass dies ja eine ganz tolle Geldanlage wäre. Das wolle er sofort machen. Er hätte nur eine kleine Variation vorzuschlagen: Da der Telefon-Spammer das Geld meines Bruders ja eh nicht anrühren würde, solle er sich doch einfach nur vorstellen, dass mein Bruder überwiesen hätte. Den Differenzbetrag könnte er ja nach Ablauf der Frist direkt auf das Konto meines Bruders überweisen. Irgendwie fühlte sich diese Knalltüte da wohl nicht ganz ernst genommen. Der Telefon-Spammer legte einfach auf.

Der gleiche Bruder hatte auch mal eine Knalltüte am Telefon, die ihm ein System-Lotto-Abonnement aufschwatzen wollte. Die Telefon-Spam-Knalltüte sagte sogar, sie würde einen Gewinn garantieren. Darauf mein Bruder: “Das ist ja genial! Das mache ich sofort. Ich habe aber eine Idee: Da ich ja garantiert gewinne, können Sie ja meinen Einsatz direkt mit dem Gewinn verrechnen und mir den Differenzbetrag überweisen.”

Ja, da erklärte die Telefon-Spam-Knalltüte, dass es so nicht gemeint wäre. Es könne ja niemand wissen, ob der Gewinn auch höher wäre als der Einsatz. Darauf mein Bruder: “Haben Sie in BWL nicht aufgepasst? Wenn die Kosten höher sind als der Einsatz, dann ist es ja kein Gewinn. Dann spricht man von Verlust.” Erst da merkte der Telefon-Spammer, dass er verarscht worden war.

Einmal hatte ich wieder einen Aktientipp-Spammer (oder sagt man besser Spinner?) am Telefon. Ich blieb völlig ruhig und sachlich und ließ mir sogar die Unterlagen schicken. Kurze Zeit später traf dann auch eine Hochglanzbroschüre per Briefpost ein. Es vergingen einige Wochen, da meldete sich der Aktientipp-Spammer erneut. Ob ich mir die Unterlagen schon angeschaut hätte, wollte er wissen. Ich sagte: “Nein, die habe ich einfach weggeschmissen!” – “Aber warum bestellen Sie dann erst die Unterlagen bei mir?” – “Ganz einfach: Wenn Sie mich schon ungefragt am Telefon nerven, dann soll es Sie auch richtig Porto kosten!” – Da wollte er auch nicht mehr mit mir sprechen. :)

Ja, liebe Leser, ist es nicht schön, wie einem freundliche Anrufer immer wieder mit unsinnigen Angeboten den Büroalltag auflockern? Wir freuen uns jedenfalls immer sehr darüber und verleihen deshalb den Telefon-Spammern die Marketing-Banane im Dezember 2011.

Bildnachweis für das “Bananenbild”: Lizenzfreies Bild aus der Datenbank FreePhotosBank

>> Kontakt +++ jhmc +++ jhmc @ twitter +++ jhmc @ Facebook


Bookmark and Share

Hinterlassen Sie eine Antwort