Qype entwickelt sich zur Ätzbude

Ja, es stimmt: Die Überschrift ist etwas provozierend. Aber irgendwie spiegelt sie schon meine Meinung wieder. Worum geht’s? Das Portal Qype bietet Internet-Nutzern die Möglichkeit, ortsbezogene Angebote zu bewerten. Dies können Restaurants, Hotels, Cafés oder auch andere Unternehmen sein. Ist ein Unternehmen nicht bereits dort eingetragen, so haben Unternehmer die Möglichkeit, dort ein Profil für ihr Unternehmen anzulegen. Dies ist demnach so ähnlich wie ein kostenloser Branchenbucheintrag, weshalb wir diesem Portal auch schon einmal einen kleinen Artikel in unserem Magazin gewidmet haben.

Nun lebt ein Social Web Portal aber nun einmal von der Kreativität und Berichterstattung seiner User. Doch diesbezüglich entwickelt sich Qype mehr und mehr zum Handlanger der dort vertretenen Unternehmen und verliert damit eines der wichtigsten Merkmale des Social Web: Die Authentizität der von den Usern verfassten Einträge.

Dazu möchte ich ein Beispiel geben: Vor einigen Monaten war ich einmal privat in Bremen und habe aufgrund eines Berichts in einem Stadtmagazin im Restaurant Luv zu Abend gegessen. Nun mag es vielleicht sein, dass ich einen schlechten Tag erwischt habe, aber das, was ich dort geboten bekam, war mit weitem Abstand die schlechteste Leistung, die ich je in einem Restaurant erleben durfte. Nach einer Wartezeit von 1,5 Stunden (!) bekam ich ein fade schmeckendes und lediglich lauwarmes, dafür aber „sehr übersichtlich“ arrangiertes und vollkommen überteuertes Häppchen vorgesetzt. Ja, und darüber hatte ich bei Qype berichtet, denn vielleicht interessiert es ja auch andere potentielle Restaurantbesucher, dass dort eine realistische Chance besteht, für sein gutes Geld mal so richtig verarscht zu werden.

Doch vor einigen Monaten erhielt ich dann eine E-Mail von Qype. Demnach sollte ich den Bericht entschärfen, sonst würde man ihn löschen. Nun ist es keineswegs so, dass ich dort Schimpfworte oder Ähnliches verwendet hätte. Es war halt lediglich ironisch formuliert. Qype war jedoch der Meinung, dass ein Stückchen Broccoli niemals „traurig“ sein könne. Nun ja, klein war es auf jeden Fall. Immerhin: Nach Entfernung der ironischen Formulierungen durfte der Beitrag stehen bleiben.

Im Gegenzug lässt sich Qype nun etwas völlig Neues einfallen: Man nervt die User mit Newsletter-Spam. Seit der Übernahme des Unternehmens „Coole Deals“, einem Groupon-Klon, bekomme ich freundlicherweise jede Menge Produktangebote über das nun QypeDeals heißende Portal. Bestellt habe ich diesen Newsletter niemals. Und wie nennt man das, wenn einem sinnlose Produktwerbung ohne Einverständnis in den virtuellen Briefkasten flattert? Richtig! Das nennt man Spam. Qype ist also unter die Spammer gegangen.

Auch heute erhielt ich wieder solch eine Nachricht, die ich garantiert nicht haben wollte und die auch noch – wie peinlich für ein Internet-Unternehmen – etliche Programmierfehler enthielt:

„Lieber Qyper, liebe Qyperin,

diese Woche ist alles anders! Wir stellen Euch nämlich den <b>Qyper der Woche</b> gleich hier vor und rühren außerdem ein bisschen die Werbetrommel für dieses Projekt.
Seit etwa eineinhalb Jahren nämlich küren wir jede Woche einen Qyper oder eine Qyperin, der bzw. die sich besonders in der Community hervor getan hat. Sei es wegen der tollen Beiträge wegen großartiger Fotos, weil er oder sie in den Gruppen so schön diskutiert oder einfach, weil er/sie nunmal so beliebt ist. Es gibt viele Gründe, der Qyper der Woche zu werden.“

Wow. Wie ätzend ist das denn? Die spammen mich zu und können noch nicht mal sauber programmieren. Ich sag’s doch: Qype entwickelt sich zur Ätzbude. Denn man begibt sich auf das Niveau von Spammern und zensiert die User. Wir gratulieren. Liebe Qyper, Ihr habt das mit dem Social Web offenbar irgendwie nicht richtig verstanden. Und das als Social Web Unternehmen.

So, und deshalb bekommt Qype nun unsere Marketing-Banane, nachdem wir im Januar keine Banane vergeben haben. Denn da hatten wir so viel um die Ohren, dass wir kaum zum Bloggen gekommen sind. Und hier ist sie nun, die Marketing-Banane für Qype. Herzlichen Glückwunsch!

Die Marketing-Banane

Ach ja, und Pop-ups verwenden die bei Qype mittlerweile auch schon. Sagten wir nicht, dass Qype sich zur Ätzbude entwickelt?

Bildnachweis für das „Bananenbild“: Lizenzfreies Bild aus der Datenbank FreePhotosBank

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One Reply to “Qype entwickelt sich zur Ätzbude”

  1. So, das Social Web Monitoring funktioniert bei Qype auf jeden Fall schon einmal. Wir hatten einen regen Austausch über Twitter und auch eine E-Mail habe ich nun bekommen:

    „Hallo

    wir hatten gerade Kontakt über Twitter und ich hab Deinen Blogpost jetzt noch einmal mit unserem Support-Team besprochen.

    Wir haben Dir seinerzeit folgende Mail geschrieben (hier jetzt der wesentliche Auszug daraus):

    „Selbstverständlich kannst Du bei uns auch eine negative Erfahrung mit andern teilen. Wir möchten Dich jedoch bitten, Deinen Beitrag bis zum 21.10.2011 zu bearbeiten, andernfalls werden wir ihn leider löschen müssen.
    Tatsachenbehauptungen wie “derart kleine Stückchen Fischfilet dass die Vermutung naheliegt, dass man im Luv aus einem Fischfilet locker fünf Portionen macht – man muss den Fisch eben nur klein genug schneiden.”, „regelrecht abgezockt und meinen Bekannten ging es ebenso.“, die Du nicht beweisen kannst, sind immer problematisch, denn im Falle eines Rechtsstreits mit dem Inhaber kannst Du dafür schlimmstenfalls der Verleumdung schuldig erklärt werden – und vor diesen Konsequenzen möchten wir Dich natürlich schützen.“

    Wir haben in unserer Nachricht also nicht, wie von Dir angesprochen, Deine Aussagen über den Broccoli bemängelt. Darum ging es in unserer Nachricht gar nicht.

    Wir wurden seinerzeit auf Tatsachenbehauptungen aufmerksam gemacht, die als unwahr bemängelt wurden. Da wir diese nicht beurteilen können und es eher unwahrscheinlich ist, dass Du diese Aussagen beweisen kannst, haben wir uns entschieden, Dich zu benachrichtigen und um entsprechende Überarbeitung zu bitten. Dabei ging es nicht um das Beschneiden Deiner Meinung – denn die Tatsache dass Dein Beitrag und Deine Meinung nach wie vor auf Qype veröffentlicht werden, zeigt ja, dass wir sehr wohl für Kritik auf der Seite sind. Wir wollen authentische Beiträge und dazu gehören sowohl positive als auch negative. Wäre dem nicht so, hätten wir ein Problem.

    So und nun zu der Newsletter-Geschichte. Du hast heute eine sogenannte „User Notification“ per Email erhalten, weil Du auf Qype eine private Nachricht erhalten hast mit der Ankündigung für den Qyper der Woche. Die Nachricht, die wir über die Seite gesendet haben, war korrekt formatiert allerdings scheint es ein Problem mit unserem E-Mail-System zu geben, welches aufgrund der eingegangen PM an Dich eine E-Mail generiert hat und da gibt’s offenbar Probleme. Das hab ich an unsere Entwickler weitergeleitet, damit sie das prüfen & beheben können. Solche Fehler kannst Du uns jederzeit an (E-Mail-Adresse gelöscht, damit der Qype-Support keinen Spam erhält) melden.

    Wenn Du bestimmte Nachrichten von Qype nicht mehr per E-Mail erhalten willst, kannst Du dies jederzeit in Deinen Einstellungen unter „Mein Qype“ festlegen. Hier kannst Du auch den QypeDeals Newsletter abmelden.
    Sollte irgendetwas unklar sein, steht Dir der Support jederzeit per oben genannter E-Mail zur Verfügung.

    Viele Grüße,
    Bianca“

    Na ja nett, dass sich das CRM von Qype noch an die Inhalte der E-Mails erinnert. Schade nur, dass man sich politisch korrekt gibt und dabei nicht die kompletten Inhalte zitiert. Denn wenn eine Aussage nicht komplett zitiert wird, kann die Bedeutung erheblich verfälscht werden. So habe ich in besagtem Kommentar z.B. nicht geschrieben, dass ich abgezockt wurde. Vielmehr hieß es seinerzeit: „Ich fühlte mich regelrecht abgezockt und meinen Bekannten ging es ebenso.“ Das ist ein erheblicher Unterschied zu der von Qype genannten Zitierweise. Denn dies ist nicht die Behauptung des Abgezocktwerdens (was juristisch tatsächlich zu beanstanden wäre), sondern die ironische Umschreibung der empfundenen Diskrepanz im Preis-Leistungs-Verhältnis.

    Aber gut, belassen wir es dabei.

    Auf jeden Fall finde ich es positiv, dass Qype mit mir in Kontakt getreten ist.

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