Von gewonnenen Diplomen

„Sie haben Ihr Diplom wohl gewonnen, Sie Nazi!“ – Ja, das ist doch wirklich mal ein netter Zeitgenosse, der solchen Bockmist ins Telefon keift.

Erst kürzlich habe ich über merkwürdige Telefonate berichtet. Aber wie so oft im Leben gibt es garantiert immer noch jemanden, der alles bislang Dagewesene in den Schatten stellt.

Es begann damit, dass mir jemand einen ellenlangen Text sowohl auf meine Festnetz-Mailbox als auch auf die Mobilfunk-Mailbox gesprochen hatte. Ziemlich zusammenhangslos und sehr aufgeregt stammelte sich da jemand etwas zusammen. Ungefähr ging es darum, dass ihm anscheinend im Berliner Hotel Holiday Inn irgendwelche Sachbeschädigungen angeblich zu Unrecht berechnet worden sein sollen. Ja, und diese nach seiner Meinung zu viel gezahlten 900 € möchte der gute Mann nun von mir zurückhaben.

Ja, alles klar soweit? Ich frage mich wirklich, welche Drogen manche Zeitgenossen wohl nehmen. Aber gut, ich bin ja ein höflicher Mensch und habe diesen durchgeknallten Typen unter seiner Berliner Festnetznummer angerufen um ihm mitzuteilen, dass er sich wohl hinsichtlich seines vermeintlichen Anspruchsgegners im Irrtum befindet.

Dumerweise kam ich aber im Folgenden nicht mehr zu Wort. Denn unser offensichtlicher Drogenkonsument („Was hat der denn geraucht?“) hatte knallhart recherchiert: So wie ich ihn verstanden habe, war er im Hotel Holiday Inn abgestiegen und aus irgendeinem Grunde wohl unzufrieden. Ganz nachvollziehen konnte ich seinen sehr spinnerten Sermon nicht, denn er faselte von allerlei unzumutbaren Zuständen in dem besagten Hotel. Höhepunkt dieser Groteske war irgendeine Geschichte von Küken, die in einer Suppe geschwommen haben sollen.

Aber dann hatte er die einschlägigen Suchmaschinen bemüht. Auf der Webseite des Holiday Inn in Berlin kann man nachlesen, dass das Hotel offensichtlich von einer Haupt Hotelbetriebs GmbH betrieben wird. Deren Geschäftsführer heißt laut Impressum ebenfalls Jörg Haupt.

Jörg Haupt Holiday Inn Berlin 001

Also googelte diese Flitzpiepe „Jörg Haupt“ und gelangte dabei auf meine Webseite. Und da ich ja eine Unternehmensberatung betreibe, so seine kranke Logik, wäre ja klar, dass ich der Jörg Haupt wäre, von dem er nun seine 900 € bekommt.

Außerdem sei im Hotel noch anderes Eigentum von ihm aufgetaucht, das sich nun bei einem gewissen Ronny Haupt befinde. Dieser Ronny Haupt wäre ein bekannter Nazi und es wäre klar, dass ich sein Verwandter wäre. Überhaupt hätte er mich wegen meiner Verbreitung von Nazi-Symbolen bereits angezeigt.

Na ja, was soll ich sagen? Der Typ ist offenbar völlig durchgeknallt. Außerdem denke ich doch, ich hätte mitbekommen, wenn ich rechtes Gedankengut pflegen würde.

Als ich diesem lustigen Pöbler den dezenten Hinweis gab, dass Berlin und Krefeld doch etwas weiter auseinander liegen würden, ließ er sich nicht beirren. Schließlich sei sein Geld ja auch bei einer Bank in Lippstadt gelandet. Daraufhin gab ich dem ulkigen Anrufer den Hinweis, dass Lippstadt von Krefeld aus ja auch nicht gerade um die Ecke wäre und wir in Krefeld eigene Banken hätten.

Er ließ sich aber nicht abbringen. Mein Leugnen würde auch zu meinen sonstigen Nazi-Methoden passen. Daraufhin sagte ich ihm, dass er mich bitte unbedingt anzeigen möge. Denn das könnte für ihn ja doch sehr böse ins Auge gehen, wenn er unbescholtene Bürger bei der Polizei mit der rechten Szene in Verbindung bringt – wobei ich andererseits annehme, dass man den Typen bei so ziemlich jeder Polizeidienststelle aufgrund seiner an den Haaren herbeigezogenen Geschichten wohl nicht ganz für voll nehmen wird. Alternativ könnte auch sein, dass er beim Versuch der Erstattung einer Anzeige direkt zur psychologischen Betreuung und Verwahrung eingewiesen wird.

Immerhin sagte er zum Ende noch den eingangs zitierten Satz: „Sie haben Ihr Diplom wohl gewonnen, Sie Nazi!“ Nicht schlecht, oder?

Also ich werde auf jeden Fall mal zur Polizei gehen. Denn ich habe ja seine Festnetznummer und auch seine Mobilfunknummer. Sicher ist sicher. Denn dieser Psychopath scheint wirklich nicht mehr alle Latten am Zaun zu haben. Und ich wundere mich derweil erneut, welch merkwürdige Dinge man erleben kann.

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