„Einmal Katze im Sack, bitte!“

Die sprichwörtliche Katze im Sack bezeichnet Leistungen, bei denen man nicht weiß, was man am Ende tatsächlich bekommt. Man kauft „die Katze im Sack“. Umso mehr verwundert es, dass man auch im Geschäftsleben immer wieder die „Katze im Sack“ angeboten bekommt.

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Insbesondere für ein Start-up-Projekt, für das ich seit einiger Zeit die Projektleitung übernommen habe (aufmerksame Leser wissen, was ich meine), wurden mir zuletzt desöfteren etwas merkwürdige „Angebote“ unterbreitet. Also ist es mal wieder an der Zeit, die Marketing-Banane zu vergeben: Unseren Preis für grottenschlechtes Marketing.

Der Vertrieb mit schlechter Vertriebsleistung

Das eine Angebot betraf Vertriebsleistungen für das durch das Start-up zu vertreibende Produkt. Hier wurde uns eine Vertriebsorganisation empfohlen. Die erste Kontaktaufnahme verlief positiv und ich hätte durchaus zugestimmt, dass der betreffende Anbieter den Vertrieb in einer bestimmten Region übernehmen sollte. Also bat ich um ein Angebot.

Ja, und auf ein belastbares Angebot warte ich dann bis heute. Denn zunächst kam gar nichts. Also fragte ich noch einmal nach, ob denn überhaupt Interesse bestünde. Man versicherte mir, dass großes Interesse bestünde. Also wartete ich erneut auf ein Angebot. Doch wieder passierte nichts.

Ich kontaktierte das Unternehmen erneut und teilte mit, dass ich aufgrund des Ausbleibens eines Angebots davon ausginge, dass kein Interesse vorhanden sei. Daraufhin bekam ich einen Blanko-Vertrag zugeschickt, in dem nicht einmal mein Mandanten-Unternehmen eingetragen war. Auch die genauen Konditionen waren nicht definiert. Und die spärlichen Informationen zu den Konditionen passten nicht einmal zum Text der begleitenden E-Mail.

Wow! Wer in eigener vertrieblicher Sache derart fundierte Arbeit leistet kann doch nicht wirklich annehmen, dass ich ihm den Vertrieb für das Produkt eines Mandanten anvertraue. Denn hier liegt doch ein klarer Fall von Nicht-Wollen oder Nicht-Können vor.

Der Organisator der Unternehmerreise nach Dubai

Der zweite Anwärter auf unsere Marketing-Banane ist der Anbieter einer Unternehmerreise nach Dubai. Wir lernten ihn in Nürnberg während der Biofach2016 am Stand meines Mandanten kennen.

Der betreffende Marketing-Bananen-Anwärter behauptet, Anbieter einer Unternehmerreise nach Dubai zu sein und in Dubai ganz viele wichtige Leute zu kennen. Außerdem sagt er, er habe Kontakt zu einem in Dubai ansässigen Unternehmen, das die Produkte meines Mandanten im ganz großen Stil in diesem lukrativen arabischen Markt einführen wolle.

Nun hört sich das ja alles erst einmal ganz toll an. Doch dieser Anbieter hat eine selbstgebastelte Webseite und einen E-Mail-Account von Hotmail. Das auf der Webseite verlinkte Anmeldeformular enthält nur eine vage Leistungsbeschreibung und ist auf der Webseite eines anderen Anbieters hinterlegt. Und in dem Anmeldeformular ist dann auch noch ein drittes Unternehmen genannt, das dann in Dubai tatsächlich die Veranstaltungen durchführt.

Es ist demnach nicht einmal zweifelsfrei herauszufinden, wer denn jetzt tatsächlich Vertragspartner wird. Dafür darf man seinen Kostenbeitrag zur Unternehmerreise frei wählen, muss aber mindests 1.000 € Vorkasse nach der Anmeldung bezahlen.

Die Leistungsbeschreibung der Unternehmerreise auf der Webseite lässt keine Rückschlüsse auf den exakten Verlauf der Veranstaltung zu. Deshalb erzählte ich dem Anbieter einfach am Telefon, dass ich vollkommen überzeugt sei und unbedingt an der Reise teilnehmen wolle, mein Mandanten-Unternehmen jedoch ein belastbares Angebot benötige. Daraufhin bekamen wir eine E-Mail, die die Leistungsbeschreibung der Webseite wiederholt.

Da unser Kontaktmann aus Österreich und damit also aus dem Ausland kommt und der angebliche Veranstalter offenbar seinen Sitz in Dubai hat (bzw. vorgibt, den Sitz dort zu haben) und auch das Angebot grundsätzlich nicht verifizierbar ist, macht das Ganze nicht wirklich einen seriösen Eindruck. Ich persönlich halte das Angebot für eine Form des Rip Deals.

Doch selbst wenn es sich um ein seriöses Angebot handeln sollte, so haben wir es hier mit einem vertrieblichen Totalversager zu tun.

Preisverleihung der Marketing-Banane

So, und wer bekommt nun die Marketing-Banane? Ganz einfach: Ich habe beschlossen, dass sich die beiden beschriebenen Protagonisten die Marketing-Banane teilen dürfen. Denn derart schlechte Performance schreit geradezu nach dem Preis für grottenschlechtes Marketing. Denn wer mit seiner angebotenen Leistung derart wenig überzeugen kann, sollte sein Geschäftsmodell tunlichst einmal überdenken.

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Zum Schluss der obligatorische Hinweis an die moralisch flexible Zunft der Abmahnanwälte: Das Bild der Katze stammt von Pixabay. Wie man dort auf der Startseite lesen kann, unterliegen die Bilder einer Creative Commons Lizenz. Und hier ist auch der Bildnachweis für das “Bananenbild”: Lizenzfreies Bild aus der Datenbank FreePhotosBank

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