Ein Trend aus New York: Deutsch

Nicht zu fassen. Was haben wir unserer Sprache nicht alles angetan? Wir kennen keine Sonderangebote mehr. Statt dessen lesen wir auf den Schaufenstern: Sale. Und jede zweite Pizzabude hat ein blinkendes Schild mit der Aufschrifft Open in der Tür hängen. Wir haben auch keine Besprechungen mehr sondern gehen ins Meeting. Klar, dass das Büro deshalb heute auch Office heißt.

Und dann das:

Nein, dieses Foto ist nicht aus München. Und es ist auch nicht aus meiner Heimatstadt Krefeld. Auch in Düsseldorf wurde es nicht gemacht. Dieses Foto stammt tatsächlich aus New York.

Ein Biergarten in New York, fotografiert im September 2016. Und ja, während wir hier in Deutschland mit Anglizismen nur so um uns schmeißen, schreiben die Amis doch tatsächlich das deutsche Wort Biergarten und markieren damit einen echten Trend in New York: Deutsch.

Tatsächlich: Deutsch steht hoch im Kurs und Unternehmen positionieren sich Deutsch. Deutsch ist derart angesagt, dass es kurzerhand zur Unternehmensstrategie gemacht wird. Auch im Marketing ist Deutsch für viele Unternehmen unverzichtbar.

Und der New Yorker Biergarten sagt uns natürlich nicht, wann er open ist. Er hat Öffnungszeiten:

Ja, ganz richtig: Öffnungszeiten. So richtig mit Ö, wie es sich gehört. Auch wenn sich die Amis vermutlich bei dem Ö die Zunge brechen. Das kenne ich ja schon von meinem eigenen Vornamen Jörg. Aber egal. Trend ist Trend.

Gut zugegeben: Die Tage und die Öffnungszteiten werden dann aber immerhin englisch geschrieben. Hier also z.B. TUE 12PM – 1AM. Denn der Betreiber des New Yorker Biergartens will ja auch, dass seine Gäste verstehen, wann er geöffnet hat. Und vermutlich wären sie mit Dienstag oder gar nur DI etwas überfordert.

12:00 – 01:00 Uhr müssten die Amis dagegen doch eigentlich auf die Kette kriegen. Oder ob der Wirt vielleicht doch vorsichtshalber die englische Zeitbeschreibung genannt hat weil er vermeiden will, dass die Gäste 12:00 – 13:00 Uhr verstehen? Denn es macht sich vermutlich niemand erst auf den Weg zum Biergarten wenn er annehmen muss, nach nur einer Stunde wieder hinausgefegt zu werden. Ich glaube, da würde ich an Stelle des Wirts auch auf Nummer Sicher gehen.

Immerhin: Dieser Wirt macht sich Gedanken, was seine Gäste wohl von der exotischen Sprache aus dem guten alten Europa wirklich verstehen. Ob das bei all den Anglizismen, mit denen die deutsche Sprache mittlerweile durchsetzt ist, wohl auch immer der Fall ist? Ich würde wetten, dass mancher Kunde in Deutschland einen großen Teil der englischen Werbesprüche gar nicht versteht. Zum Glück haben wir Deutschen ja eine eigene Sprache. 😉

Immerhin, wir waren auf jeden Fall vor 12PM am Biergarten. Denn wie man lesen kann, hatte der New Yorker Biergarten noch geschlossen.

Was mich auch fasziniert hat: Es gibt mittlerweile viele Biergärten und ähnliche Einrichtungen in New York, in denen man tatsächlich wie hier in Deutschland einfach so sein Bier trinken darf. Also einfach draußen. Nichts da mit Tüte ums Getränk. Zwar beschränkt sich diese Biergartenkultur nur auf bestimmte entsprechend ausgewiesene Bereiche. Aber andererseits gilt es ja auch hierzulande letztlich als etwas asi, sich einfach so irgendwo in der Öffentlichkeit ein Bier an den Hals zu setzen, z.B. irgendwo in der Fußgängerzone.

Deutsch ist aber schon länger ein echter Trend, wenn es um die Positionierung von Unternehmen in Amerika und speziell in New York geht. Das beweist das folgende Video aus dem Jahr 2014. Und während ich jetzt im Office sitze und an diesem Posting arbeite frage ich mich, ob das Wetter an Ostern wohl warm genug für einen Besuch im Biergarten sein wird. 😉

Schreibe einen Kommentar