Spam per Briefpost von der Europäischen Lotterie Kommission

Spammen muss ein lohnendes Geschäft sein. Denn Spam per E-Mail kostet ja bekanntlich kaum Geld. Für ein paar wenige Euro gehen Millionen E-Mails zweifelhaften Inhalts raus und werden wie mit der Gießkanne über private und gewerbliche E-Mail-Accounts dieser Welt verteilt.

Ziel dieser Spam-Mails ist bekanntlich regelmäßig irgendeine Betrugsmasche. Und jeden Morgen steht irgendwo auf der Welt ein Dummer auf, den man dann eben finden muss. Bei dem zitierten Spam-Mail-Gießkannen-Prinzip besteht demnach eine gewisse realistische Chance, eben jenen Dummen tatsächlich zu finden.

Verschickt man den Spam nun jedoch per Briefpost, sollte man doch annehmen, dass die Kosten für den Spamversand in die Höhe schnellen. Denn während das Schreiben und Versenden einer E-Mail praktisch kaum Arbeit macht und auch wenige Kosten generiert, sieht es bei einem Brief ganz anders aus: Druck, Briefpapier und Briefumschläge kosten ebenso Geld wie das Porto. Vielleicht fallen auch noch Lohnkosten für das Falten und Eintüten an oder vielleicht wird auch das maschinell erledigt – was jedoch wiederum Kosten für die Maschinenlaufzeiten mit sich bringt.

Nun mögen diese Kosten ja pro Brief noch gering sein. Wenn man jedoch tausende oder vielleicht sogar hunderttausende derartiger Briefe veschickt, dann könnte das Geschäft mit dem Spam durchaus unrentabel werden. Ich als Betriebswirt frage mich zumindest, ob die Streuverluste bei der Suche nach dem oben bereits zitierten zu findenden Dummen nicht vielleicht die zu erwartenden Einnahmen aus dem Vorschussbetrugsgeschäft unserer lieben Briefspammer aufzehren könnten. Vielleicht sollte man die Spammer einmal in Bezug auf ihre Ablauforganisation beraten?

Aber gut, schauen wir uns den Brief der Spammer doch einmal an. Ich habe ihn gescannt und zum Download hinterlegt:

>> Download: Spam-Brief mit der Gewinnbenachrichtigung (pdf)

Ja, was soll man da noch sagen? Der Brief ist überschrieben mit EUROPÄISCH LOTTERIE KOMMISSION SPANIEN und die äußerst individuelle Anrede lautet Sehr geehrter Dr. – einen Namen sucht man nun aber vergebens.

Na Bravo! Da schaffen es unsere Briefpostspammer ja direkt, mit perfekter Orthographie, fehlender Anrede und billigen Grafik-Elementen beim Empfänger des Briefs so richtig das Vertrauen in die Lauterkeit ihrer Absichten zu wecken.

Vielleicht wäre demnach auch einmal eine Marketingberatung fällig. Denn nachdem wir ja schon festgestellt haben, dass unsere Briefpost-Spammer in Bezug auf die Ablauforganisation betriebswirtschaftlich eher suboptimal aufgestellt sind, sollten sie doch zumindest versuchen, bei der Erschließung neuer Zielgruppen zielgerichteter vorzugehen. Ansonsten wird es wohl auch mit der Umsatzmaximierung durch Akquise möglichst vieler Vorschussbetrugsopfer eher mau aussehen.

Witzig ist auch, dass Google Maps die in dem Brief angegebene Adresse der angeblichen Rechtsanwälte Juan Carlos & Sarah der angeblichen Anwaltskanzlei Pedro Sanchez & Sarah nicht finden kann. Hier stellt sich demnach die Frage, ob denn auch der spanische Briefträger in der Lage wäre, die richtige Adresse zu finden. Es könnte demnach also gut sein, dass die von den Spammern ersehnte Antwort des weiter oben zitierten Dummen erst gar nicht bei ihnen ankommt. Und außerdem: Hat Sarah keinen Nachnamen?

Ohne Antwort gibt es aber auch keine Kontaktdaten eines potentiellen Betrugsopfers. Hier zeigt sich demnach, dass die Spammer auch in Bezug auf die Distributionspolitik eher suboptimal aufgestellt sind, denn die Kontaktdaten sind für den Vertrieb der geplanten Vorschussbetrugsleistungen unerlässlich. Immerhin: Google findet – da Suchmaschine – eine ähnlich lautende Adresse. Die sieht dann in Google Street View aus wie folgt:

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, liebe Leser. Aber ich sehe hier keine Anwaltskanzlei. 😉 Zugegeben: Dreht man die Ansicht, dann gibt es dort tatsächlich Bürogebäude. Diese befinden sich jedoch nur an einer ähnlich lautenden Adresse wie der in dem Spam-Brief.

Die Adresse der EUROPÄISCH LOTTERIE KOMMISSION kann Google übrigens ebenfalls nicht finden. Doch dafür gibt es ja auch noch eine E-Mail-Adresse, eine Telefonnummer und auch eine Faxnummer. Und damit man sich dort dann auch meldet, schreiben uns die Spammer:

Bitte setztzen sie sich dafuer mit unserer Deutsch Sprachigen Rechtsanwalt in Verbindung.

Na ja, vielleicht hätten die Vorschussbetrüger ja besser mal einen Deutsch Sprachiger Autor bemüht. 😉

Fazit: Unsere Spammer sind betriebswirtschaftlich offenbar eher suboptimal aufgestellt. Die Kosten für den Spam-Versand per Brief sollten insbesondere bei derart mangelhafter Umsetzung und dem daraus vermutlich resultierenden Ausbleiben möglicher Umsätze das Geschäftsmodell dieser Vorschussbetrüger bald obsolet machen. Und wenn sich dann dennoch der oben bereits zitierte Dumme findet und sich dann auch noch im Wege des Vorschussbetrugs über den Tisch ziehen lässt, dann haben sich unsere Spammer ihren Umsatz wirklich redlich verdient. Von der Ertragsseite reden wir aber dann in diesem Fall doch besser nicht. 😉

Bildnachweis: Pixabay CCO Public Domain

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