Die Nullnummer unter den Rip-Dealern

Über Rip-Deals haben wir ja schon hier im jhmc Blog und auch im jhmc Magazin des öfteren berichtet. Gleichwohl holt einen das Thema immer wieder ein.

Diesmal war es so, dass Mandanten von mir aufgrund eines Kapitalgesuchs, das diese im Internet veröffentlicht hatten, von einem angeblichen Investor namens Nshan Investments aus Katar kontaktiert wurden. Katar ist bekanntlich ein Emirat an der Ostküste der arabischen Halbinsel und das klingt ja schonmal nach viel Geld. So weit, so gut. Aber: Ist es nicht eher unwahrscheinlich, dass ein arabischer Investor deutsche Datenbanken scannt, um dort Investments zu finden?

Zwar kann es tatsächlich sein, dass Investoren mitunter auch Datenbanken scannen. Hier wäre jedoch davon auszugehen, dass es vor Ort Partner – i.d.R. Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer oder Unternehmensberater – gibt, die die Landessprache sprechen und die Gepflogenheiten vor Ort kennen. Dies ist jedoch in dem mir von meinen Mandanten mitgeteilten Fall eben gerade nicht so.

Statt dessen gibt es jemanden, der nur Englisch spricht und den Namen Christopher Mauss verwendet. Auf der Webseite dieses angeblichen Investors findet man nur allgemeine Phrasen, aber keine Angaben zur Investitionsstrategie oder zum aktuellen Portfolio. Was man aber findet, wenn man den Herrn Christopher Mauss googelt, ist ein Warnhinweis auf einer Webseite mit der Domain scamsurvivors.com – also einer Webseite, die sich mit – vorsichtig formuliert – nicht ganz astreinen Geschäftsmodellen beschäftigt.

Herr Christopher Mauss und seine angebliche Investment-Gesellschaft Nishan Investments waren indes recht fix. Zwar hatte man sich noch nicht einmal persönlich mit meiner Mandantschaft getroffen, schickte aber sogleich ein Dokument, das sich hochtrabend Letter on Confirmation nannte. Mit Kleinigkeiten wie einer Due Diligence hält sich so ein Rip-Dealer eben gar nicht erst auf. Andererseits verwundert das nicht, denn für eine Due Diligence benötigt man entweder ein Büro im Land des Targets, also des Unternehmens, in das man investieren möchte. Oder aber man benötigt zumindest die weiter oben bereits zitierten Partner-Unternehmen, die die Due Diligence vor Ort übernehmen. Aber das hat ein Rip-Dealer natürlich nicht.

Auch eine Adresse hat der Rip-Dealer übrigens nicht. Weder auf dem Letter of Confirmation, noch einem meiner Mandantschaft übermittelten Prospekt – wenn man den übermittelten pdf-Schmierzettel denn so nennen will – noch auf der Webseite dieses sagenhaften Investors namens Nishan Investments ist eine Adresse angegeben. Man findet nur die folgende Angabe:

P.O.Box : 22492, Al Sadd, Doha, Qatar.
Phone : +974 – 00000000
Fax : +974 – 00000000

Die Adresse ist also nur ein Postfach und Telefon- und Faxnummern bestehen aus lauter Nullen – deshalb auch der Titel dieses Blogbeitrags: Die Nullnummer unter den Rip-Dealern.

Ganz schön viele Nullen für eine Telefonnummer oder eine Faxnummer. Haben die keine Adresse, nur eine P.O.Box? Merkwürdig auch: Laut der unter dem Menüpunkt Kontakt auf der Rip-Dealer-Webseite eingebundenen Google Map verteilt sich deren Büro offenbar auf einen ganzen Stadtteil.

Wenn aber doch dieser angebliche Investor namens Nishan Investments selbst auf einem Vertrag nur eine Postfachadresse angibt, dann ist dieser wunderschöne Letter of Confirmation ja nicht einmal das Papier wert, auf dem man das entsprechende pdf drucken könnte.

Wie erwartet kam jedoch unser Herr Christopher Mauss alsbald mit einem richtig tollen Vorschlag ums Eck: Denn damit das angebliche Investment zustande kommt, sollen meine Mandanten 28.000 € irgendwo hinterlegen.

Ne, ist klar. Das machen wir doch sofort, oder? Denn ein angeblicher arabischer Investor mit nur einem Postfach als Adresse und einer aus lauter Nullen bestehenden Telefonnummer, den man nur aus ein paar Telefonaten und einigen E-Mails kennt, ist ja sowas von Vertrauen erweckend. Klarer Fall: Herr Christopher Mauss – oder wie immer diese Knalltüte wirklich heißen mag – und seine sagenhafte Firma Nishan Investments sind Rip-Dealer. Und wer denen 28.000 € ins Nirvana überweist, ist einfach nur selber schuld. Eine strukturierte Unternehmenstransaktion geht auf jeden Fall anders.

Bildnachweis: Pixabay CCO Public Domain

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