Über Social Media und sinnverstehendes Lesen

Content is King – so hieß der Vortrag, den ich neulich im Rahmen einer Veranstaltung der Baufachtage Günzburg gehalten habe. Warum Content King ist bzw. weshalb Inhalte so relevant sind, ist schnell erklärt: Eigenständige Inhalte auf einer Webseite gehören zu den effektivsten Methoden der Suchmaschinenoptimierung. Wenn die entsprechenden Beiträge noch in regelmäßigen Abständen erfolgen und unter „Aktuell“ der letzte Beitrag eben gerade nicht schon vom vorletzten Jahr ist, werden die Suchmaschinen dies auch honorieren.

Wenn Suchmaschinen etwas honorieren, dann wirkt sich das auf die organischen Suchergebnisse aus. Das bedeutet: Unter bestimmten Stichworten wird man in den Suchergebnissen der Suchmaschinen gut bis sehr gut gefunden. Und damit kommen wir zum eigentlichen Thema dieses Beitrags.

Als Unternehmensberatung für Strategie, Marketing und Organisation veröffentlichen wir regelmäßig Beiträge aus diesem Themenspektrum. Dabei berichten wir auch immer wieder über Spam. Denn Spam birgt für Unternehmen ein nicht von der Hand zu weisendes Risiko: Malware kann Passwörter ausspähen oder die IT-Infrastruktr lahm legen. Das habe ich übrigens einmal bei einem Mandanten-Unternehmen erlebt, als das sog. ZEPTO-Virus mehrere Rechner und den Server gekapert hat. Die Folge: Die Mitarbeiter konnten nicht arbeiten und die Reparatur hat natürlich ebenfalls Geld gekostet.

Andere Spam-Szenarien sind eher Betrugsabsichten zuzuordnen: Formularbetrug oder Rip Deals bzw. Vorschussbetrug in allen Varianten – vieles davon ist geeignet, sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen einen erheblichen finanziellen Schaden zuzufügen. Deshalb berichten wir darüber sowohl hier im jhmc Blog als auch im jhmc Magazin jeweils unter der Rubrik „Spam und Konsorten“.

Immer wieder melden sich Betrugsopfer bei mir, die sich für die Berichterstattung bedanken. Auch Menschen, denen entsprechende unseriöse Angebote unterbreitet wurden, treten mit mir in Kontakt und bedanken sich für die Aufklärung und Berichterstattung. Mitunter aber – und das kommt häufiger vor, als man denkt – melden sich Leute, die mir alles Mögliche androhen, wenn ich nicht sofort mit dem Spammen aufhöre. Darüber habe ich vor einigen Jahren schon einmal berichtet.

Wenn man den Sachverhalt dann weiter verfolgt, ergibt sich immer folgendes Szenario: Die Leute, die mir alles Mögliche androhen, erhalten Spam. Dann googeln sie den Inhalt und stoßen auf einen meiner Blogbeiträge. Und dann passiert etwas sehr Merkwürdiges.

Denn diese Leute scheinen nicht in der Lage zu sein, die gefundenen Beiträge sinnverstehend zu lesen. Formulierungen wie „Vorsicht Betrug“ oder „dämliche Spammer“ scheinen ihnen nicht zu denken zu geben. Auch Formulierungen wie „Warnung vor Formularbetrug“, „Abzocke“, „merkwürdiges Angebot“ oder „Spam“ scheinen nicht geeignet, diesen Leuten klar zu machen, dass ich garantiert nicht der Versender irgendwelcher obskurer Werbemails bin. Interessanterweise können diese Leute im Übrigen zwar ganz offensichtlich nicht sinnverstehend lesen, schaffen es aber gleichzeitig, sich auf meiner Webseite zum Kontaktformular zu navigieren.

Gestern war wieder so ein Fall. Über unser Kontaktformular erhielt ich folgende Nachricht:

Betreff:
keine reklame

Nachricht:
letze aufruf.
wenn du immer noch deine mails mir schickst werde ich dich anzeigen.
ich meine es sehr ernst

Nun, dieser gute Mensch ist offenbar auch nicht viel intelligenter als die Spammer. Die Nachricht zeugt von einem unfassbar niedrigen Niveau. Umso erstaunlicher, da die Nachricht von dem Inhaber eines Maklerbüros für Immobilien aus Wuppertal stammt. Also wenn der so schreibt, möchte ich mal sehen, wie dort wohl ein Exposé für eine immobilie aussieht. „Ey, wolle Immobilie kaufe?“ So oder so ähnlich stelle ich mir das jedenfalls vor. Was für ein Analphabet! 😉

Und ich bin immer wieder überrascht, wie unbeholfen viele Menschen noch mit Spam umgehen. Da wundert es auch nicht, dass sich immer wieder ein Dummer finden lässt, der auf diese Betrügereien hereinfällt.

Einer Anzeige kann ich indes wohl gelassen entgegensehen. Denn sowohl Polizei als auch Staatsanwaltschaft würden sich wohl ob der von unserem Spamopfer vorgelegten „Beweise“ vor Lachen die Bäuche halten. Gleiches gilt wohl dann auch für Richter im Falle einer zivilrechtlichen Verfolgung des fälschlicherweise mir zugeordneten Spams. Und ja, ich lache ebenfalls über derartige Analphabeten. 🙂

Bildnachweis: Pixabay CCO Public Domain

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