Die Rip-Dealer haben wieder Hochsaison

Liebe Leser, die Rip-Dealer haben offenbar mal wieder Hochsaison. Wie ich darauf komme? Nun ja, es vergeht kaum eine Woche, in der ich nicht wegen der Artikel über Vorschussbetrug in unserem Blog oder auch unserem jhmc Magazin kontaktiert werde. Offenbar also suchen derzeit viele Menschen nach Stichworten, die dann wiederum in den Magazin- und Blogbeiträgen vorkommen.

Das zeigt zum einen, dass die Sache mit dem Social Media Marketing offenbar ganz gut funktioniert. Andererseits zeigt es aber auch, dass offenbar immer noch massenweise Rip-Dealer unterwegs sind, um mit ihren betrügerischen Methoden abzukassieren.

Traumhafte Konditionen und scheinbar problemlose Transaktionen

Rip-Dealer treten immer dann auf den Plan, wenn es um Unternehmensbeteiligungen, Unternehmensverkäufe, Immobiliengeschäfte oder andere Transaktionen mit wertvollen Gegenständen geht. Erkennbar sind sie an ihren Angeboten mit traumhaften Konditionen und scheinbar problemlosen Transaktionen – so, wie es in der folgenden E-Mail beschrieben wird, die wir in der vergangenen Woche erhielten:

Guten Tag,

ich habe meine Immobilie in Spanien angeboten. Es hat sich einer gemeldet, der im Auftrag von einem Millionär handelt. Er möchte sich in Mailand am kommenden Samstag treffen und die Immobilie ohne Besichtigung kaufen. Ich denke es handelt sich hierbei um einen Rip-Deal. Habe eine Passkopie erhalten. Könnten Sie überprüfen, ob es sich hier um eine Fälschung handelt ? Mit freundlichen Grüßen (Name)

Immobilien, die ohne Exposé oder Besichtigung gekauft werden sollen, Unternehmensverkäufe oder Unternehmensbeteiligungen, bei denen kein Businessplan angefordert oder gar eine Due Diligence durchgeführt wird – das sollte Ihnen, liebe Leser, immer zu denken geben. Erst Recht, wenn die angebotenen Konditionen zu schön sind, um wahr zu sein. Entsprechend antwortete ich wie folgt:

Sehr geehrter Herr (Name),

vielen Dank für Ihre Nachricht. Die Passkopie kann ich leider nicht auf Echtheit überprüfen. Ich denke aber auch, dass es sich um Rip-Dealer handelt und deshalb würde ich auch an Ihrer Stelle nicht nach Mailand fahren, um sich mit denen zu treffen.

Wenn Sie sich gegen meine Empfehlung dennoch für einen Termin in Mailand entscheiden, wählen Sie bitte unbedingt einen belebten Ort wie z.B. die Lobby eines größeren Hotels und kommen Sie nicht allein. Vorsicht ist insbesondere geboten wenn man sie bittet, eine größere Summe Bargeld zum Termin mitzubringen. Diese Leute sind gewaltbereit. Erst in der vergangenen Woche hatte ich ein Telefonat mit einem Rip-Deal-Opfer, dem man einen Koffer mit 200.000 € entrissen hat. Beim Versuch, die Rip-Dealer am Verlassen des Tatorts zu hindern, wäre eines der Opfer fast von den Rip-Dealern überfahren worden. Nur durch einen Sprung zur Seite konnte er verhindern, vom Auto der Rip-Dealer überrollt zu werden. „Geld oder Leben“ ist hier wörtlich zu nehmen!

Mit freundlichen Grüßen

Jörg Haupt

Vorisicht – Rip-Dealer sind gewaltbereit!

Die zitierte Antwort-Mail oben deutet es bereits an: Rip-Dealer sind Kriminelle. Es handelt sich um organisierte Banden, deren „Geschäftsmodell“ der serienweise durchgeführte Vorschussbetrug ist. Und diese kriminellen Banden sind gewaltbereit. Wenn man bezüglich Vorschussbetrug recherchiert, stößt man immer wieder auf Berichte, in denen Rip-Dealer Gewalt angewendet haben. Dabei schrecken sie auch vor Mord nicht zurück. Demnach ist es also ratsam, sich gar nicht erst mit diesen Leuten einzulassen.

Zwar habe ich selber tatsächlich einmal einen Termin mit Rip-Dealern wahrgenommen. Dies war jedoch lediglich ein Anbahnungstermin und ich wusste auch von Anfang an, auf was ich mich da einlasse. Außerdem hatten wir den Termin in einer belebten Hotellobby vereinbart und ich war auch nicht alleine dort.

Problematisch wird es erst dann, wenn es bei dem Termin mit den Vorschussbetrügern ans „Eingemachte“ geht. Hier gibt es zwei Varianten: In der ersten, bargeldlosen Variante wird man gebeten, eine Transaktionsgebühr, Anwaltsgebühr oder Notargebühr (oder eine ähnliche Gebühr) auf ein ausländisches Konto zu überweisen. Dies ist insofern die ungefährlichere Variante, als man zwar dann sein Geld los ist und natürlich kein Investment im Gegenzug erhält. Doch immerhin ist man nur sein Geld los und läuft nicht Gefahr, auch noch Opfer eines Gewaltverbrechens zu werden.

In der zweiten Variante ist dagegen Bargeld im Spiel. Meist wird dann eine hanebüchene Story aufgetischt, weshalb man zu diesem Termin eine große Summe Bargeld mitbringen soll. Bei unserem Termin mit einem Rip-Dealer in Amsterdam behaupteten die Rip-Dealer beispielsweise, im Diamantengeschäft tätig zu sein. Dabei falle eben viel Bargeld an, das nicht so einfach zur Bank gebracht werden könne. Deshalb sollten meine Mandanten statt der benötigten 500.000 € stolze 650.000 € erhalten. Voraussetzung wäre, dass meine Mandanten 150.000 € in bar mitbringen sollten.

Wer nun denkt, dass so etwas eh niemand macht, der irrt. Denn der ebenfalls in meiner obigen Antwort zitierte Fall wurde mir vor einigen Tagen tatsächlich am Telefon so geschildert. Der Anrufer hatte vor einigen Jahren beabsichtigt, gemeinsam mit einigen Freunden in ein Solarfeld in Ostdeutschland zu investieren. Irgendwie waren die „Solarfreunde“ an einen Rip-Dealer geraten. Dieser bat sie, zum vereinbarten Termin 200.000 € in bar mitzubringen.

Und tatsächlich kamen die „Solarfreunde“ dann mit einem 200.000 € schweren Bargeld-Koffer zum Termin mit den Rip-Dealern. Die Rip-Dealer entrissen den „Solarfreunden“ den Koffer und sprangen in ihr Fluchtfahrzeug. Einer der „Solarfreunde“ stellte sich ihnen in den Weg, um die Flucht der Rip-Dealer zu vereiteln. Doch die Rip-Dealer hielten mit Vollgas drauf und der betreffende „Solarfreund“ konnte nur mit einem Sprung zur Seite verhindern, überfahren zu werden.

Es ist also Vorsicht geboten, denn dies war nicht das erste Mal, dass ich von Gewaltanwendung bis hin zum Mord gehört bzw. gelesen habe. Denn Rip-Dealer sind gewaltbereite und skrupellose Betrüger, mit denen man sich nicht einlassen sollte. Wenn also jemand Sie im Rahmen einer geplanten Transaktion ohne weitere Prüfung des Kaufgegenstands mit geradezu lächerlichen Konditionen lockt, dann sollten Sie vorsichtig sein. Zahlen Sie niemals einen Vorschuss auf irgendein ausländisches Konto und bringen Sie niemals eine große Summe Bargeld zu einem Treffen mit solchen Leuten mit. Denn im „besten Fall“ sind Sie hinterher „nur“ Ihr Geld los. Im schlimmsten Fall zahlen Sie mit Ihrer körperlichen Unversehrtheit oder gar mit Ihrem Leben.

Wenn es um Unternehmens-Transaktionen geht: Sprechen Sie Fachleute an.

Bildnachweis: Pixabay CCO Public Domain

Schreibe einen Kommentar