Von gefälschten Restaurants und gefälschten Bewertungen

Heute Morgen habe ich einen Artikel im Internet gefunden, in dem jemand behauptet, seine Gartenlaube durch gefälschte Bewertungen zum besten Restaurant der Stadt gemacht zu haben. Mit erfundenen Bewertungen bei TripAdvisor habe er – so der Bericht – seinem nicht einmal existierenden Restaurant zu einer Spitzenbewertung verholfen.

Wie hat er das angestellt? Ganz einfach: Er hat ein Restaurant erfunden, das gar nicht existiert und hat dazu eine Webseite erstellt. Er erstellte Fotos von Mahlzeiten, die nicht wirklich aus Essbarem hergestellt wurden und meldete dann das erfundene Restaurant bei TripAdvisor an. Anschließend erfand er Bewertungen und bat auch Bekannte, erfundene Bewertungen zu schreiben. So kamen allerhand Top-Bewertungen zusammen, obwohl das Restaurant mangels Existenz noch nie eine einzige Mahlzeit verkauft hatte.

Nun ja, um es vorweg zu nehmen: Hier ging es um einen redaktionellen Beitrag. Der Schwindel wurde vom Urheber selbst enttarnt und es wurde auch niemals jemand geschädigt. Aber der Urheber des Schwindels behauptet in seinem Beitrag auch, früher durchaus gegen Bezahlung geschwindelte Bewertungen geschrieben zu haben.

Bewertungen, Follower und Likes kaufen?

Ja, es stimmt. Man kann tatsächlich mehr oder minder (Achtung: Humor 😉 ) seriöse Dienstleister beauftragen, Unternehmen Bewertungen, Follower oder Likes zu kaufen. Das ist dann wohl die dunkle Kehrseite der sozialen Netzwerke.

Erst kürzlich bin ich über ein solches Unternehmen gestolpert. Ich hatte eine unverlangte Werbemail – gemeinhin als Spam bekannt – erhalten. Und in dieser unverlangt eingetrudelten Werbemail bot mir ein Unternehmen quasi am Fließband gelieferte positive Bewertungen sowie in anderen „Dienstleistungspaketen“ Follower und Likes auf den einschlägigen Social Media Portalen an.

Im Übrigen scheint es mehrere ähnlich gelagerte Anbieter zu geben, denn das war nicht das erste Mal, dass ich über solch ein teilzeitseriöses Angebot gestolpert bin. Doch was bringt es wirklich, Bewertungen, Likes oder Follower auf Social Media Portalen zu kaufen?

Unsere Position dazu ist ganz klar: Finger weg davon. Denn das kostet nur Geld und bringt gar nichts. Denn wenn heraus kommt, dass Bewertungen auf den einschlägigen Bewertungsportalen gekauft wurden, dann kann das dazu führen, dass die dahinter stehenden Unternehmensprofile gelöscht werden. Man muss also gar nicht erst die AGB der Social Media Portale studieren. Nein, da reicht der gesunde Menschenverstand, damit man sich vorstellen kann, dass die Social Media Portale derartige Aktivitäten sanktionieren.

Doch wie sieht das bei Likes und Followern auf Social Media Portalen wie Twitter oder Facebook aus? Auch hier ist es schlichtweg Blödsinn, Likes und Follower zu kaufen. Denn gekaufte Follower interessieren sich nun einmal nicht für das Unternehmen und die dahinter stehenden Produkte und Dienstleistungen. Gekaufte Follower interessieren sich nur dafür, dass sie Geld für das von ihnen gesetzte „Like“ bekommen. Gekaufte Follower kosten demnach nur Geld und bringen gar nichts. Denn Investitionen ins Marketing machen bekanntlich nur Sinn, wenn sie die adressierte Zielgruppe auch erreichen. Und das ist wohl sicher nicht der Fall, wenn man jemanden dafür bezahlen muss.

Und wie ist das mit Anzeigen auf den Social Media Portalen?

Nun könnte man ja argumentieren, dass doch zwischen dem Kauf von Followern oder Likes in den sozialen Netzwerken und der Schaltung von Anzeigen z.B. auf Facebook nicht wirklich ein Unterschied bestünde. Doch weit gefehlt. Schauen wir uns also beispielsweise das Schalten von Anzeigen bei Facebook an.

Sicherlich stimmt es, dass man auf Facebook bezahlte Anzeigen schalten kann. So kann man Facebook-Seiten oder Posts explizit bewerben. Man kann dafür ein Budget festlegen und die Nutzer nach diversen sozio-demographischen Faktoren filtern. Denn da bei Social Media Portalen die interagierenden User quasi das Produkt sind, teilen die User durch ihr Nutzerverhalten allerlei Dinge mit, die für Marktforschung und Marketing von Interesse sind. Ergo kann man bei der Schaltung von Anzeigen Dinge wie Alter, Region, persönliche Interessen oder Geschlecht einschränken bzw. die Anzeige dahingehend optimieren.

Der Unterschied zum Kauf von Followern oder Likes ist jedoch folgender: Die nach den oben genannten Kriterien geschalteten Anzeigen bekommen diejenigen Nutzer der Social Media Portale zu sehen, die zu den gesetzten Filterkriterien passen. Ist z.B. eine Anzeige bei Facebook an männliche Nutzer mit Affinität für Autos im Großraum München adressiert, so bekommt sie auch garantiert niemand zu sehen, der sich nicht für Autos interessiert und z.B. in Hamburg wohnt.

Sieht nun ein Nutzer diese Anzeige, so kann es sein, dass er auf die dahinter stehende Seite bei Facebook klickt und diese auch mit „gefällt mir“ markiert. Das Setzen des „Like“ erfolgt also bewusst und es findet eine echte Interaktion statt. Da die beworbene Seite letztlich ganz offensichtlich auch den Interessen des jeweiligen Users entspricht, wird er mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit in Zukunft immer wieder einmal Beiträge anklicken, die nun in seiner Timeline, also in der Übersicht der aktuellen Beiträge in seinem Profil, erscheinen.

Gekaufte Follower dagegen interessieren sich nicht die Bohne für die Seite, die sie mit „gefällt mir“ markiert haben – um mal in Bezug auf Redewendungen beim Restaurant-Thema zu bleiben. 😉 Der Marketing-Effekt gekaufter Follower ist demnach gleich Null. Natürlich mag es unter den gekauften Followern auch Zufallstreffer geben, die sich dann doch interessieren. Aber da kann man sein Geld wirklich zielgerichteter ausgeben.

Alles nur Fake im Social Web?

So, ist denn wirklich alles nur ein Fake im Social Web? Nein, keine Angst. Denn es gibt genügend Unternehmen, die Social Media Marketing nicht mit dem (sinnlosen und unseriösen) Kauf von Bewertungen, Likes und Followern verwechseln. Wer gute Leistungen erbringt, kann also durchaus echte gute Bewertungen, Likes und Follower bekommen.

Und wie ist das mit negativen Bewertungen? Nun, es mag wohl sein, dass die eine oder andere Bewertung im Internet auch ziemlich daneben liegen kann. Das mag daran liegen, dass es offenbar einfacher ist, im vermeintlich anonymen Internet auf den einschlägigen Social Media Portalen rumzupöbeln, als – nehmen wir das Beispiel Restaurant – die Bedienung im Fall der Fälle um Behebung des empfundenen Problems zu bitten.

Zum Schluss noch ein Restaurant-Tipp aus der guten alten analogen Welt: Es schadet nicht, sich unabhängig von Bewertungen auch einfach mal durch Ausprobieren selbst eine Meinung zu bilden. 😉

Bildnachweis: Pixabay CCO Public Domain – Bild 1Bild 2Bild 3Bild 4Bild 5

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