Neulich auf der Autobahn

Wer oft beruflich unterwegs ist, erlebt auf seinen Geschäftsreisen Erstaunliches – und das nicht etwa während der Termine. Nein, das Erstaunliche erlebt man während der Fahrt zu den Terminen. Denn wer viel fährt, kennt es auch. Mal fährt einer zu dicht auf, mal setzt sich jemand unter Missachtung des Sicherheitsabstands direkt vor einen. Manche nutzen die Lücken zwischen Fahrzeugen für riskante Überholmanöver und von der Rettungsgasse hat auch noch niemand gehört.

So musste ich kürzlich beruflich nach Süddeutschland. Irgendwann setzte sich plötzlich ein Fahrzeug direkt vor mich. Klar, wozu sollte man mich auch erst noch vorbei lassen? Und weshalb sollte man auch noch darauf achten, dass man mir nicht direkt in den Sicherheitsabstand fährt? Einscheren nur fünf Meter vor meiner Motorhaube reicht doch, oder? Wie auch immer. Ich verzögerte, damit ich wieder genügend Sicherheitsabstand bekam. Geduldig fuhr ich dann hinter dem betreffenden Fahrzeug her, denn wozu sollte man auch schnell fahren, wenn man sich schon auf der linken Spur befindet? Genial: Erst ohne Sicherheitsabstand ausbremsen und dann noch vor einem herschleichen!

Plötzlich verringerte sich der Sicherheitsabstand erneut. Offenbar hatte mein Vordermann heftig gebremst. Bemerkt hatte ich das nur, weil sich plötzlich der Abstand verringerte. Bremslichter habe ich dagegen keine gesehen. Vermutlich waren sie defekt. Und warum hatte der Vordermann gebremst? Ganz einfach: Er war an einer Abstandskamera vorbei gefahren und hatte nichts Besseres zu tun, als in die Eisen zu steigen. Zumindest vermute ich das mal, denn wie gesagt: Bremslichter habe ich keine bemerkt. Und ich bin derweil gespannt, ob ich demnächst noch Post bekomme. Denn ich bin mir nicht sicher, ob mein Sicherheitsabstand wegen der defekten Bremslichter meines Vordermanns beim Vorbeifahren an der Abstandsmessung noch ausreichend war.

Auf der A8 befinden sich derzeit zwischen Stuttgart und dem Alb-Aufstieg mehrere Baustellen. Diese bringen es mit sich, dass man je nach Abschnitt lediglich 60 oder 80 km/h schnell fahren darf. Und wie ich da so langfahre, taucht plötzlich im Rückspiegel ein Smart auf – und zwar so dicht, dass man überspitzt formuliert die Nasenhaare des Fahrers zählen konnte.

Noch während ich mich darüber wunderte, wie man nur so dicht auffahren kann, schoss der Smart plötzlich und natürlich ohne zu blinken auf die linke Spur. Nicht, dass da Platz gewesen wäre. Nein, er nutzte einfach die Lücke zwischen zwei Autos, die in der Kolonne durch die Baustelle fuhren, um mich zu überholen. Denn ungefähr ein Meter Sicherheitsabstand vor und hinter dem Fahrzeug sollte doch ausreichen, oder?

Gut, ich persönlich denke ja, dass das nicht ausreicht. Den Smart-Fahrer kümmerte das indes wenig. Denn er war nun an mir vorbei gefahren und schoss – natürlich erneut ohne zu blinken – direkt vor mir in die Lücke. Noch während ich mich darüber ärgerte, dass er nun nur einen Meter vor meinem Fahrzeug auftauchte, beschleunigte er. Somit nutzte er die Lücke zum vorausfahrenden Fahrzeug, um auf der rechten Spur zu überholen. Dabei fuhr er wiederum ganz dicht auf seinen Vordermann auf. Dann schoss er wiederum in eine Lücke auf der linken Spur, wobei ihn erneut nicht kümmerte, dass nun weder vor noch hinter ihm genug Abstand zum nächsten Fahrzeug war. Geblinkt hat er natürlich auch nicht, denn es ist ja immer klasse, wenn völlig ohne Vorwarnung plötzlich nur einen Meter vor der eigenen Motorhaube ein Fahrzeug wie aus dem Nichts auftaucht. Und wie ich sehen konnte, wiederholte sich das Spiel dann noch mehrere Male.

Vor einigen Jahren habe ich auf der A5 ungefähr bei Heidelberg zwei Fahrzeuge direkt hinter mir gehabt. Das Fahrzeug hinter mir fuhr extrem dicht auf, während ich auf der linken Spur in einer Kolonne fuhr. Da er so extrem dicht auffuhr, fuhr ich auf die rechte Spur. Der Auffahrende jedoch folge mir auf die rechte Spur, ohne den Abstand auf mich zu verringern. Denn hinter ihm fuhr ein weiteres Fahrzeug ebenfalls dicht auf und mein Hintermann wollte dieses Fahrzeug nicht vorbei lassen. Beide Fahrzeuge nutzten für ihre riskanten Manöver sowohl die Standspur als auch die rechte und die linke Fahrspur, indem sie völlig rücksichtslos hin und her schossen. Sobald der hintere Fahrer versuchte, seinen Vordermann rechts oder links zu überholen, schoss dieser sofort rüber, um den Hintermann zu blockieren. Zum Glück kam eine Raststätte und ich fuhr erst einmal raus, um diese Idioten an mir vorbeizulassen. Dabei konnte ich sehen, dass das hintere Fahrzeug nicht einmal einen halben Meter hinter dem anderen her und somit quasi Stoßstange an Stoßstange fuhr. Und Ich frage mich dann immer, was so wichtig sein kann, dass man nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das der anderen Verkehrsteilnehmer derart gefährden muss.

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