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Archiv der Kategorie Musik
Es ist wieder Wacken
5.8.2011 von Jörg Haupt.
Es ist wieder Wacken. Ein kleines Dorf in Schleswig-Holstein ist an diesem Wochenende der Nabel der Heavy-Metal-Welt. Denn auf den abgeernteten Äckern der Gemeinde findet mit dem Wacken Open Air das laut Veranstaltern größte Heavy Metal Festival der Welt statt.
Für die kleine Gemeinde Wacken mit ihren (laut Wikipedia) gerade einmal 1.822 Einwohnern ist das natürlich eine gewaltige logistische Herausforderung, aber auch ein beachtlicher Wirtschaftsfaktor. So soll beispielsweise der ortsansässige Edeka-Markt (ebenfalls laut Wikipedia) ein Drittel seines gesamten Jahresumsatzes an den drei Festivaltagen machen. Und auch die Gastrononie freut sich über den durch zehntausende durstige Kehlen generierten Mehrumsatz ebenso wie die ortsansässige Sparkasse, die nicht nur mit mobilen Geldautomaten die Festivalbesucher mit Bargeld versorgt, sondern auch eine co-gebrandete Wacken-Prepaid-Kreditkarte, die “Wacken Card” herausgibt.
Darüber hinaus ist das Wacken Open Air ein gutes Beispiel dafür, wie man sich erfolgreich in einer Marktnische positionieren kann. Denn aus bescheidenen Anfängen ist in nur 20 Jahren ein bedeutendes mittelständisches Unternehmen entstanden.
Als im Jahre 1990 das erste Wacken Open Air stattfand, kamen gerade einmal knapp 800 Besucher, um 6 Bands zu sehen. Der Achtungserfolg bewog die Initiatoren, ein zweites Festival aufzulegen, zu dem bereits 1.300 Besucher kamen. Im Jahre 2010 war das Festival auf 123 Bands, 82.500 Teilnehmer und 75.000 zahlende Besucher angewachsen. Ähnliche Wachstumsraten würden bei jedem Venture Capital Manager Freudentränen hervorrufen.
Dabei gab es im Jahr 1990 natürlich schon etliche Musikfestivals. Nur: Diese waren eben nicht auf Heavy Metal spezialisiert. Doch mit der Spezialisierung auf den Teilmarkt Heavy Metal hatte man offenbar den Nerv der Zielgruppe getroffen. Und diese Zielgruppe ist überwiegend sehr zahlungskräftig und weist im Vergleich zu anderen Musik-Teilmärkten eine signifikant erhöhte Preisbereitschaft hinsichtlich des Erwerbs von Tonträgern oder Fanartikeln sowie des Besuchs von Konzerten auf. Es ist demnach eine fast logische Konsequenz, dass sich die Marktabdeckungsstrategie der Spezialisierung auf diese lukrative Zielgruppe auch ökonomisch auszahlte.
Geht man von 75.000 Festivalbesuchern und einem Ticketpreis von 120,00 € aus, so werden allein über die Eintrittsgelder 9 Mio. € umgesetzt. Hinzu kommen Einnahmen aus Fanartikeln oder Medienpartnerschaften. Es gibt ein eigenes Festival-Bier und es wird versucht, das Branding auf andere Festivals übertragen.
Eingefleischte Fans kritisieren diese Kommerzialisierung. Andererseits kann ein solches Festival natürlich nur dann stattfinden, wenn es sich betriebswirtschaftlich rechnet. Deshalb werden die Festival-Besucher wohl auch weiterhin Wacken-Bier trinken und mit der Wacken-Card bezahlen.
Ob der Spaß bei allem Geschäft abhanden kommt? Nun, schauen wir doch einmal in das folgende Video. Denn auf dem größten Heavy-Metal-Festival der Welt treten jede Menge namhafter Bands auf. In diesem Jahr sind beispielsweise Helloween, Avantasia, Blind Guardian, Judas Priest, Motorhead oder Ozzy Osbourne dabei. Derart große und innerhalb der Zielgruppe gut bekannte Namen ziehen natürlich jede Menge Fans an, die fleißig die Auftritte ihrer Lieblingsbands feiern. So wie im folgenden Video, das Blind Guardian bei einem Auftritt vor einigen Jahren zeigt.
Und wem diese schöne Ballade zu ruhig war, der kann mit dem folgenden Video einmal antesten, ob er die notwendige Fitness im Nackenwirbelbereich besitzt, um vielleicht auch einmal am Wacken Open Air teilzunehmen.
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Etwas Rockiges zum Wochenende
18.6.2011 von Jörg Haupt.
“Dann machen wir halt das Marketing (unaufgefordert)” haben wir scherzhaft vor einigen Wochen in diesem Blog gepostet. Hintergrund war das praktische Nicht-Vorhandensein jeglichen Marketings des Sängers Michael Kiske, was wiederum schade ist, da so kein Mensch diesen werten Herren kennt. Dies ist wiederum schade, weil er außerordentlich gut singen kann und mit seiner interessanten Stimme selbst aus mittelmäßigen Songs noch hörenswerte musikalische Ereignisse macht.
Ähnliches scheint sich ein User bei YouTube gedacht zu haben. Denn Michael Kiskes neue Band Unisonic hat zwar einen neuen Song veröffentlicht, hüllt sich bezüglich weiterer Aktivitäten jedoch weitgehend in tiefstes Schweigen. Auf der- immerhin vorhandenen (!) - Facebook-Seite erfährt der geneigte Musik-Liebhaber auch nicht wirklich was.
Doch selbst ist der Fan: Er bastelt eben einfach aus dem Song und einigen Live-Mitschnitten das (unoffizielle) Video zum Song zurecht und veröffentlicht es bei YouTube. Ja, so einfach geht das heute in der Wunderwelt des Web 2.0.
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Dann machen wir halt das Marketing (unaufgefordert)
1.4.2011 von Jörg Haupt.
Na gut, zugegeben. Heute ist der erste April. Und deshalb ist der Titel nicht ganz so ernst zu nehmen. Und natürlich werden wir das Marketing nicht dauerhaft und unaufgefordert übernehmen.
Wofür denn? Das werden Sie sich jetzt vielleicht fragen. Nun ja, wir haben doch vor einigen Tagen über das Anti-Marketing des Sängers Michael Kiske berichtet. Und genau da möchten wir noch einmal einhaken und außerdem ein nettes Stück Musik zum Wochenende vorstellen.
Betrachtet man die Webseite von Michael Kiske so fällt auf, dass sie zwar eine Art Blog besitzt (Rubrik “Aktuelles”). Der Bereich “Aktuelles” wird jedoch relativ selten aktualisiert. Erst in letzter Zeit häufen sich die Beiträge wieder. Dabei hätte es durchaus etwas zu berichten gegeben: So war Kiske beispielsweise im Dezember mit dem Projekt Avantasia auf Tournee. Wir sind sicher, dass die Fans so etwas interessiert hätte. Auf der Webseite findet sich dazu jedoch kein einziger Hinweis.
Auch auf die Nutzung kommunikationsverstärkender viraler Instrumente wie RSS-Feeds oder die Social Web Dienste Twitter oder Facebook wird offenbar verzichtet. Zumindest sind sie von Kiskes Webseite aus nicht verlinkt - falls es sie gibt (was wir jetzt zugegebenermaßen nicht recherchiert haben).
Auf das Projekt Place Vendome wird im Blog zwar hingewiesen. Leider wird jedoch auch hier verpasst, ein wenig mit Instrumenten des modernen Marketing zu spielen. Denn es gibt doch tatsächlich im YouTube-Profil der dazugehörigen Plattenfirma ein Video. Und das hätte man doch ganz einfach in das Blog einbauen können. Der Code dazu ist schließlich unter (fast) jedem Video bei YouTube verfügbar.
Dann macht man es wie zu Guttenberg und setzt es per Copy & Paste in seine Webseite - nur mit dem Unterschied, dass sich darüber niemand aufregt. Will man die Platte dann weiter promoten, könnte man z.B. über das Amazon-Partnerprogramm einen Link setzen, ungefähr so:
Na ja, dann machen wir halt das Marketing für Michael Kiske. Und das eben unaufgefordert - siehe oben.
Wie auch immer: Wir wünschen einen schönen ersten April und viel Spaß mit dem folgenden Stück Musik. Stilistisch ist es im Bereich Mainstream-Rock mit Hardrock-Einschlägen einzuordnen. Und die Stimme von Michael Kiske ist wie immer einfach der Hammer. In diesem Sinne: Schönes Wochenende.
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Michael Kiske und das Anti-Marketing
24.3.2011 von Jörg Haupt.
Liebe Leser,
kennen Sie Michael Kiske? Nein? Nun, dann geht es Ihnen vermutlich wie den meisten Menschen. Denn der Mann hat in den vergangenen Jahren ein geradezu famoses Anti-Marketing betrieben.
Das ist eigentlich schade, denn Michael Kiske ist ein begnadeter Sänger. Mit seiner dreieinhalb Oktaven umfassenden Stimme stellt er die meisten Kollegen des Rock- und Pop-Genres locker in den Schatten. Überhaupt kann er so ziemlich alles singen: Von pianissiomo (für die Nichtmusiker: Gaaaaanz leise) bis fortissimo (also gaaaaanz laut) und von weich klingenden Balladen bis zum Heavy Metal Shouter ist alles drin.
Das Interessante aus Marketing-Sicht ist: Das macht er sogar tatsächlich - er veröffentlicht Musik in unterschiedlichen Stilrichtungen von klassischem Rock bis hin zu Heavy Metal. Und trotzdem kennt ihn kaum jemand.
Seine große Zeit hatte Michael Kiske mit der Heavy Metal Band Helloween (nein, kein Tippfehler, die Band schreibt sich tatsächlich so und nicht “Halloween”), als deren Sänger er mit 18 engagiert wurde. Leider verkrachte man sich im Laufe der Jahre. Hinzu kamen offensichtlich einige Rechtstreitigkeiten mit der Plattenfirma. Dies alles führte dazu, dass Kiske einige Jahre lang gegen die Kommerzialisierung der Musik wetterte, was das Zeug hielt. Er hat sogar 17 Jahre lang keine Bühne mehr betreten.
Dabei gehörte eine angemessene Vermarktung schon immer zur Kunst dazu. Schon Ludwig van Beethoven verklagte im Jahr 1808 seine Mäzene, die Fürsten Kinsky, Lobkowitz und Erzherzog Rudolph. Diese hatten mit Beethoven nämlich einen lebenslangen Rentenvertrag über 4.000 Gulden geschlossen, nach heutigem Wert ca. 120.000 Euro jährlich. Da die Zahlungen jedoch ins Stocken gerieten, zog Beethoven vor Gericht - und hatte Erfolg. Überhaupt soll er seine Finanzen penibel kontrolliert haben. Und für seine berühmte 9. Sinfonie kassierte er 600 Gulden (heute ca. 67.500 Euro).
Man sieht also: Musik und Kommerz haben sich schon damals durchaus vertragen. So langsam scheint dies auch Michael Kiske zu dämmern. Immerhin gibt es auf seiner ansonsten recht unstrukturierten Webseite neuerdings sogar halbwegs aktuelle Informationen, wenngleich man Hinweise zu seinem trotz des gefühlten Komplett-Untertauchens doch sehr umfangreichen Gesamtwerk dort zum Teil vergeblich sucht. Andererseits verhält er sich damit nicht viel anders als diverse mittelständische Unternehmen, die uns Informationen über ihr gesamtes Leistungsspektrum auf ihren Webseiten ja ebenfalls häufig vorenthalten. Insofern ist er da eigentlich in guter Gesellschaft.
Zum Glück erfahren interessierte Zeitgenossen mittlerweile mehr über seine Musik. Hier haben wir einmal ein Beispiel für ein unlängst gemeinsam mit Amanda Somerville aufgenommenes Album eingestellt. Dies zeigt: Kaum wird ein wenig geklappert, klappt es auch mit dem Handwerk - will heißen: Man nimmt das Angebot auch wahr.
Michael Kiskes neue Band Unisonic hat zwar offenbar noch keine Webseite, nutzt aber - man höre und staune - sogar das Social Web. Unisonic hat doch tatsächlich eine Seite bei MySpace. Wenn das so weitergeht, twittert Kiske irgendwann sogar.
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